Die Energie-Detektivin

1,9 Millionen Euro. So viel gibt der Landkreis Sömmerda pro Jahr für seine 81 Gebäude aus – nur damit das Licht brennt, die Räume warm sind und das Wasser läuft. „Viel zu viel“, findet Astrid Keschke und machte sich auf die Suche nach Möglichkeiten, die Kosten zu senken. Sie wurde fündig: „Wir haben einiges eingespart“, verrät Keschke. Und das Beste: Dafür waren nicht einmal große Investitionen nötig.

Astrid Keschke ist eine Art Detektivin. Allerdings sucht sie keine gestohlenen Juwelen, sondern ist der Energieverschwendung auf der Spur. Dazu wurde die Bauingenieurin des Landratsamtes Sömmerda extra zur Energiemanagerin ausgebildet.

Messgeräte und Nutzungsprofile

Die Energie-DetektivinSeither ist sie mit detektivischem Gespür im Einsatz. Um das Potenzial auszuloten, führte Astrid Keschke zunächst ein Testprojekt durch. Dazu wurden zehn Gebäude des Landkreises erfasst – von der Turnhalle bis zum Landratsamt. Keschke schaute genau auf die Verbräuche pro Quadratmeter und Jahr. Fünf ausgesuchte Gebäude nahm sie dann so richtig unter die Lupe: Da wurden Messgeräte installiert und Nutzungsprofile erstellt. Keschke beschäftigten dabei Fragen wie: „Wer ist wann im Haus und heizt wie?“

Einen kraftvollen Hebel erkannte sie in der Einstellung der Heizung: „Die liefen teilweise an den Wochenenden und in den Ferien durch. Jetzt gehen wir mit den Hausmeistern die Stundenpläne für jedes Gebäude durch und stellen die Heizungen entsprechend ein.“ Allein für die fünf Testgebäude summierten sich die erzielten Einsparungen auf jährlich 42.600 Euro. Keschke: „Damit ließe sich ein Vierpersonenhaushalt rund zehn Jahre lang beheizen.“ In Sachen CO2 entspricht das 96 Tonnen. „So viel stößt ein Mittelklassewagen aus, wenn er 16 Mal die Erde umrundet“, weiß die Energiemanagerin. Und das ist nur die Energie von fünf Gebäuden. Würde man sie alle optimieren, wären das jährlich rund 190.000 Euro – wohl gemerkt ohne einen Cent zu investieren!

Der Fokus der Energiedetektivin liegt klar auf dem Thema Wärme. Denn Wärme verschlingt viel mehr Energie als die Beleuchtung oder der Wasserverbrauch. Also ist hier  das Einsparpotenzial entsprechend groß. Und da es in und um Sömmerda  einige unsanierte Gebäude gibt, ist hier  eine Menge zu holen. Ganz nebenbei dienen die Daten der Energiespar-Detektivin auch dazu, Sanierungsmaßnahmen effizienter zu planen.

Ausbildung zur Energiemanagerin

Neben der richtigen Einstellung der Heizung gibt es noch eine Reihe sinnvoller Methoden, die für kleines Geld große Wirkung erzielen. Dazu zählen etwa das Erneuern von Dichtungen an Türen und Fenstern. Das Einbauen moderner, drehzahlgeregelter Pumpen, die Wasser je nach Bedarf mal kräftig, mal schwach befördern und nicht immer Vollgas geben. Genauso der sogenannte hydraulische Abgleich von Heizungsanlagen. Dabei werden Heizungen so eingestellt, dass sie in allen Räumen gleich heizen, und nicht in der ersten Etage bollern und unterm Dach schwächeln.

Um Energiemanagerin zu werden, durchlief die Bauingenieurin zunächst eine Zusatzausbildung zur Energieberaterin. Das gefiel ihr so gut, dass sie dem noch einen oben drauf setzte und bei der Thüringer Energie- und GreenTech-Agentur (ThEGA) nebenbei einen 18-monatigen Lehrgang zur Energiemanagerin absolvierte. Und das hat sich so richtig gelohnt: Seither informiert Astrid Keschke ihre Kollegen und klärt sie über Energiesparmöglichkeiten auf: „Eine sehr schöne Sache.“ Ihr Ziel ist es, sämtliche Liegenschaften des Landkreises Sömmerda zu untersuchen und zu optimieren: „Da schlummert noch ein riesiges Potenzial.“