Abschied von fossilen Brennstoffen

Das Beste kommt zuerst: „Unsere alte Öl- und Gasheizung im Gemeindehaus konnten wir ausbauen“, freut sich Hans Jürgen Liebscher, Bürgermeister von Weißbach, im Saale-Holzland-Kreis. Thomas Winkelmann vom EnergieTeam der Regionalen Aktionsgruppe Saale-Holzland e.V. in Nickelsdorf hatte die Gemeinde energetisch beraten – und ihnen dabei geholfen, sich von fossilen Brennstoffen zu verabschieden. „Das ist gelungen“, sagt Bürgermeister Liebscher.

Der Reihe nach: Da in der Gemeinde ein landwirtschaftlicher Viehzuchtbetrieb angesiedelt ist, lag es auf der Hand, die Gülle energetisch zu verwerten, statt Öl und Gas zu verfeuern. Das hat neben der Umweltfreundlichkeit einen entscheidenden Vorteil: „Gülle ist ein natürlicher Dünger, welcher unbehandelt stinkt. Durch den Durchlauf in der Biogasanlage werden Schwefelgase gebunden, somit ist der Gärrest fast geruchlos“, sagt Winkelmann. Und so entschloss sich die Agrargenossenschaft Weißbach eG im Jahr 2012 eine Biogasanlage zu bauen.

Minikraftwerk liefert Strom und Wärme

Biogasanlage WeißbachSeither ist nicht nur die Luft besser, sondern die Gemeinde Weißbach auch noch energetisch unabhängig. Denn: „Das Gas treibt ein kleines Blockheizkraftwerk an, das ebenfalls zur Agrargenossenschaft gehört“, sagt Thomas Winkelmann. Das Minikraftwerk liefert 265 Kilowatt elektrische und 200 Kilowatt thermische Energie. Während der Strom ins Netz der „Thüringer Energienetze“ fließt und der Genossenschaft Einnahmen beschert, nutzt man die Wärme vor Ort und schont damit den eigenen Geldbeutel und die Umwelt.

Genutzt wird die anfallende Abwärme des Gasmotors teils zum Beheizen der Biogasanlage – die Gärprozesse kommen ohne Wärmezufuhr erst gar nicht in Gang. Da der Gasmotor aber deutlich mehr Wärme liefert als die Biogasanlage verbraucht, bauten die Agrargenossen zusätzlich ein kleines Fernwärmenetz. Das ist zwar nur 500 Meter lang, beliefert aber einige Großverbraucher im Ort. Darunter das  Dorfgemeinschaftshaus mit Bürgermeisterbüro, den örtlichen Kindergarten und die Fleischerei samt Gastronomiebetrieb und Festsaal. Netter Nebeneffekt: Im Obergeschoss gibt es zwei Einliegerwohnungen, die ebenfalls über das Fernwärmenetz geheizt werden.

Vorbild für den ländlichen Raum

Kernstück der Wärmeversorgung ist das Mikro-Fernwärmenetz. Das verbindet Erzeugung und Abnehmer – auf denkbar wirtschaftliche Art und Weise. Das Netz kostete rund 160.000 Euro, wobei 88.000 Euro Fördermittel vom Freistaat Thüringen kamen. „Das sogenannte Duo-Kunststoff-Flexrohr machte das Projekt erst wirtschaftlich“, sagt Thomas Winkelmann. Um es zu verlegen braucht es weder teure Krane, noch hoch spezialisiertes Personal: In das oberschenkeldicke, flexible Kunststoffrohr sind sowohl Vor- als auch Rücklauf integriert – es muss also nur ein Rohr verlegt werden. Daher konnten die Arbeiten in Rekordzeit abgeschlossen werden: Innerhalb von zwei Monaten war die Anlage fertig. „Dabei wurde sogar ein Bach unterquert“, sagt Thomas Winkelmann.

Für die Energiegenossen in Weißbach ist der Fall klar: Das lohnt sich. „Eigenversorgung durch selbst erzeugte Energie aus Biogas und ein dezentrales Nahwärmenetz – das ist eine vielversprechende Lösung, die der ländliche Raum bietet“, sagt Bürgermeister Liebscher. Das ist sicher auch etwas für andere Kommunen, die die Erfahrungen der Weißbacher nutzen und ähnliche Modelle umsetzen wollen.

Der Aufwand rechnet sich gleich mehrfach: Einerseits sind die Investitionen binnen 15 Jahren wieder drin. Andererseits ist die Gemeinde viel unabhängiger von Gasimporten und schwankenden Preisen. Ferner entstehen vor Ort Arbeitsplätze, also Wertschöpfung. Und nicht zu vergessen: Weißbach ist jetzt viel umweltfreundlicher.

http://www.bioenergie-region.de/aaa/142-biogasanlage-weissbach