Idealer Kraftwerkspark

Aus der Not wurde eine Tugend: Weil die Einwohnerzahl von Sondershausen sank und die Gebäude energetisch saniert wurden, entsprach das alte Fernwärmenetz samt der zentralen Energieerzeugung nicht mehr den Anforderungen. „Der Wärmebedarf ist deutlich zurückgegangen“, sagt Hans-Christoph Schmidt, Geschäftsführer der Stadtwerke Sondershausen.

Rückblick: Zu DDR-Zeiten kannte man den Begriff Energieeffizienz nicht. Die Wärmeversorgung übernahm in der Regel ein Kombinat oder ein Unternehmen aus der Region. Da produzierte man heißes Wasser und schickte es über kilometerlange Leitungen in die Städte – ohne Rücksicht auf Verluste. „Effizienz war kein Thema“, sagt Hans-Christoph Schmidt. Nach der Wende verhinderte Schmidts Vorgänger das Schlimmste. Er ließ an den wichtigsten Knotenpunkten der Stadt Sondershausen drei kleine Kraftwerke bauen, die dezentral Wärme erzeugten und über die alten Rohrleitungen in die Siedlungen lieferten. Das war zwar besser als das alte DDR-System, „von effizient aber noch immer recht weit entfernt“, sagt Schmidt.

Hohe Effizienz dank Kraft-Wärme-Kopplung

Hackschnitzel für das HolzhackschnitzelkraftwerkIn den 2000er-Jahren kam das Thema erneut auf den Tisch. „Die Kernüberlegung war“, erinnert sich Schmidt, „erstens die Fernwärme komplett abzuschaffen und die Wärme direkt in den Häusern zu produzieren oder aber die Fernwärme zu modernisieren.“ Hätte man sich für die erste Lösung entschieden, dann hätte sich an der Gesamtenergie- sowie an der Umweltbilanz wenig verändert. Noch immer wären fossile Brennstoffe der einzige Energieträger, noch immer würden tonnenweise schädliche Klimagase in die Atmosphäre geblasen. Die Lösung: ein zentrales Wärmekraftwerk, das geografisch ideal gelegen ist um alle Stadtteile zu erreichen und das dem Stand der Technik entspricht.

Im Jahr 2011 stand der neue Erzeugungspark. Wobei es sich genau genommen um drei Kraftwerksteile handelt. Zentraler Teil ist ein zwei Megawatt starkes Blockheizkraftwerk (BHKW), das nicht nur Wärme erzeugt, sondern als „Abfallprodukt“, wie Schmidt sagt, auch noch Strom liefert. Fachleute sprechen bei solchen Anlagen von Kraft-Wärme-Kopplung (KWK). Vorteil der kombinierten Erzeugung ist die hohe Effizienz. Das BHKW läuft praktisch das ganze Jahr über auf Nennlast. Lediglich im Hochsommer, wenn es draußen heiß ist und der Wärmebedarf sinkt, steht es nachts still. Strom liefert dann das Netz.

Heimisches Holz für die Ökobilanz

Wirklich interessant wird es im Winter, wenn alle ihre Heizungen aufdrehen und in die Badewannen steigen. Dann nämlich ist das BHKW schlicht überfordert. Macht aber nichts, denn Hans-Christoph Schmidt hat noch zwei Joker parat: Zum einen sein Holzhackschnitzelkraftwerk, zum anderen einen Spitzenlastkessel. „Wir sind hier eine holzreiche Gegend. Die Kommune hat viel Wald“, sagt Schmidt. Da lag es nahe, das Holz aus dem Stadtwald auch zu nutzen, statt es zu exportieren und Gas zu importieren. Im Holzhackschnitzelkraftwerk verbrennen seither jährlich rund 1.700 Festmeter Holz. Das entspricht knapp einem Viertel des Holzes, das dort jährlich nachwächst. Gewinner ist die Umwelt: „Der Einsatz des heimischen Holzes spart  pro Jahr über 700 Tonnen CO2. Holz hat eine viel bessere Ökobilanz als Gas“, sagt Schmidt. Ganz ohne Gas geht es aber selbst in Sondershausen nicht: An extrem kalten Tagen, an denen das BHKW und das Holzhackschnitzelkraftwerk gemeinsam noch zu wenig Wärme erzeugen – davon gibt es pro Jahr nur eine Handvoll – springt der Spitzenlastkessel ein. Das ist eine gasbefeuerte Anlage, die schnell große Mengen Wasser heizt.

Der energetische Dreiklang hat Sondershausen den idealen Kraftwerkspark beschert. Alles in allem ist die Umweltbilanz der Stadt heute viel besser als noch vor wenigen Jahren. Zudem wird die heimische Wirtschaft gestärkt: „Vom Fällen der Bäume, über das Beschicken der Öfen, vom Warten der Systeme bis zum Notdienst – sämtliche Dienstleister stammen aus der Region“, freut sich Schmidt.

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