Erfolgsmodell Genossenschaft?

Jeder hat eine Stimme. Jede zählt gleich, egal mit wie viel Geld man beteiligt ist, und es herrscht Transparenz. Vorstand und Aufsichtsrat sind den Mitgliedern gegenüber einmal im Jahr auskunftspflichtig. „Es gibt keine demokratischere Rechtsform als die Genossenschaft“, findet Hendrik Freund. 

Der Mann muss es wissen. Er steht gleich zwei Genossenschaften vor: der Raiffeisenbank im Grabfeld eG und der Bürger-Energie Grabfeld eG (BEG). Dass es diese gibt, ist einer Initiative seiner Genossenschaftsbank zu verdanken. „Wir wollten etwas für die Region tun. Wir wollten, dass Bürger, die kein eigenes Dach zur Verfügung haben und über keine großen finanziellen Mittel verfügen, von den erneuerbaren Energien profitieren können.“

In der Presse, bei Gemeinde- und Stadtratssitzungen warb Freund für die Idee. Auch der Vertrieb der Bank half. Mit Erfolg. Inzwischen hat die 2010 gegründete BEG rund 110 Mitglieder, jedes hat mindestens einen Anteil in Höhe von 1000 Euro gezeichnet; eine Dividende von vier Prozent schüttet die BEG aus, in 19 Photovoltaikanlagen mit ca. 1,9 Megawatt Leistung und ca. 4 Millionen Euro hat sie investiert.

Photovoltaikanlagen auf Feuerwehrdächern, Gemeinde-, Kultur- und Sporthäusern, aber auch auf privaten und gewerblichen Dächern liefern grünen Strom. „Wir haben nur kleinere, risikoarme Projekte verwirklicht, die für uns leicht zu bewältigen waren“, sagt Freund. Diese Strategie zahlt sich aus. Die Einspeisevergütungen für die Anlagen sind langfristig garantiert, sie finanzieren Kredite, Investitionen, Renditen. Und laufen sie aus, ist die Anlage längst bezahlt und es wurden Rücklagen gebildet, die BEG kann dann auch mit geringeren Vergütungen leben.

„Der Neubau von Solaranlagen, die ausschließlich ins öffentliche Netz einspeisen, macht nach Kürzung der Einspeisevergütung wirtschaftlich keinen Sinn mehr“, meint Freund. Anders sieht es bei Photovoltaikanlagen auf Industriegebäuden aus. „In zwei Fällen verkaufen wir Strom direkt an Unternehmen, ohne dass wir ein öffentliches Netz nutzen. Der Eigenverbrauch steht bei der aktuellen Förderpolitik im Vordergrund, was grundsätzlich sinnvoll ist und wir in unserer Investitionspolitik berücksichtigen müssen.“ 

Ohnehin findet Freund, dass es bei Investitionen in erneuerbare Energien nicht ausschließlich um Rendite gehen sollte, sondern auch darum, Energie einzusparen. Die Risiken seien größer geworden, der Bau von Windkrafträdern etwa erfordert ganz andere finanzielle Mittel.

„Windräder sollten am besten von Leuten aus der Region gebaut werden, damit diese auch etwas davon hat“, findet Freund. Allerdings sind hier Profis gefragt. Ihr Bau erfordert eine mehrjährige Entwicklungszeit, viele Auflagen sind zu erfüllen, es besteht eine 100-prozentige Verlustmöglichkeit, der Vorstand einer Energiegenossenschaft haftet.

So sind Genossenschaften zwar immer demokratisch, aber noch nicht alle sind wirtschaftlich erfolgreich. Es ist Professionalität gefragt. Der Rat des Finanzfachmanns: Sich beraten lassen, genau hingucken, nüchtern prüfen und sich nicht von Emotionen leiten lassen.

Weitere Informationen:

http://buerger-energie-grabfeld.de