Das macht Schule

Mit einer Bürgersolaranlage auf der Berufsbildenden Schule in Arnstadt fing es an. Gemeinsam mit einigen Freunden wollte Michael Welz etwas für seine Heimatstadt tun. Sie wollten die Nutzung der erneuerbaren Energien vorantreiben und die Bürger daran beteiligen. Alle sollten die Möglichkeit haben, im öffentlichen Raum die Solarstromerzeugung zu fördern. Also luden sie zu einer Informationsveranstaltung ein. Das Interesse war groß, eine GmbH & Co. KG wurde gegründet, die gleich fünf Projekte auf Gemeindedächern realisierte. 

Das war 2010. Zwei Jahre später entstand daraus die Energiegenossenschaft BürgerKraft Thüringen eG. „Uns ist die Bürgerbeteiligung besonders wichtig, sie ist mit einer Genossenschaft viel besser möglich“, begründet Vorstandmitglied Welz den Wandel. Statt 1000 Euro wie bei der GmbH kosten Genossenschaftsanteile lediglich 100 Euro. „Auch wem es wirtschaftlich nicht so gut geht, kann bei uns mitmachen“, sagt Welz.

Jedes der 30 Mitglieder hat eine Stimme, unabhängig von der Zahl der Anteile. Sie treffen sich nicht nur einmal im Jahr zur Generalversammlung, sondern alle paar Monate, etwa um neue Projekte zu diskutieren.

Auf mehreren Schulen im Ilm-Kreis errichtet die Genossenschaft ihre Photovoltaikanlagen. „Mit dem Landkreis verbindet uns ein partnerschaftliches Verhältnis“, sagt Welz. Steht eine Dachfläche zur Verfügung, wird sie zunächst der Genossenschaft angeboten. Schüler, Lehrer und Eltern sind über Informationsveranstaltungen in die Projekte einbezogen.

Deren Dimension ist überschaubar: Die Größe der Anlagen richtet sich nach dem Verbrauch. „Wir versuchen, den Eigenverbrauch möglichst zu decken“, sagt Welz. Die Energieüberschüsse, etwa in Ferienzeiten, werden in das öffentliche Stromnetz eingespeist. Die Schulen sind in doppelter Hinsicht Energie-Gewinner: Sie bekommen Sonnenstrom und erzielen Mieteinnahmen für ihr Dach. 

Alle Seiten profitieren von diesem Modell: Schulen, Landkreise und die Energiegenossenschaft selbst: An ihre Mitglieder schüttet sie eine Rendite zwischen 2,5 und 3,5 Prozent aus. Die Höhe ist abhängig vom Wetter. Je sonniger das Jahr, desto besser die Einnahmen und die Rendite. 

Doch wegen des Geldes sollte man sich nicht in einer Energiegenossenschaft engagieren, findet Michael Welz. Der 51-jährige Bildungsreferent ist auch im Bundesverband der Energiegenossenschaften, dem Bündnis Bürgerenergie, aktiv. Er berät auch neu entstehende Genossenschaften und leistet Hilfe zur Selbsthilfe. „Natürlich muss die Wirtschaftlichkeit stimmen“, sagt Welz. „Doch uns geht es in erster Linie um die Förderung einer demokratischen Beteiligungsform. Eine Energiegenossenschaft bietet jedem die Möglichkeit zur Mitgestaltung, ohne Mitglied in einer Partei zu sein.“

http://www.buergerkraft-thueringen.de