Der Energierebell aus Uthleben

Claus Müller aus Uthleben ist in Sachen Energie ein alter Hase. Als es 2005 darum ging, die Heizung in seinem Haus zu modernisieren, wusste er ganz genau, was er will: Eine Wärmepumpe. „Ich war damals berufstätig viel unterwegs, daher wollte ich was Geschicktes und Effizientes. Ich wollte zwar weg vom Gas, um Umweltschutz ging es mir damals aber noch nicht“, sagt Müller.

Eine Wärmepumpe also. Die ist für viele Eigenheimbesitzer so eine Art Einstiegsdroge in die Welt der Selbstversorgung. So auch für Claus Müller. Und wer einmal Blut geleckt will noch mehr: Also schaffte er kurz darauf eine Solarthermie-Anlage an. Das ist ein Kollektor auf dem Hausdach, der mit Sonnenenergie Warmwasser erzeugt. Das speichert Müller in einen 750 Liter fassenden Isoliertank. Im Folgejahr konnte Müller dann seine Ausgaben vergleichen: „Die Heizungsrechnung halbierte sich. Da haben wir gemerkt: jetzt haben wir den ersten Schritt gemacht. Jetzt muss noch mehr kommen“, erinnert sich Müller, dessen Frau damals noch lebte und ebenso engagiert dabei war wie er selbst.

Energetischer Selbstversorger

WärmepumpeDas Dach der großen Scheune neben dem Wohnhaus bot sich geradezu an, Photovoltaikmodule zu tragen. Es weist nach Süden und hat einen Winkel von 45 Grad: besser geht es kaum. Im Juni 2013 kam also die PV-Anlage aufs Dach, insgesamt zehn Quadratmeter. Für Claus Müller allein reicht das allemal. Und ein bisschen was kauft er auch noch aus dem Netz zu- aber nur an wolkenverhangenen Tagen, wenn die Module nichts liefern. Doch diese Tage sind rar: Müllers Stromrechnung ging derart in die Knie, dass sich sein örtlicher Energieversorger schon Sorgen machte: „Lebst Du noch?“, fragte die Stimme am Telefon, amüsiert sich der 67-Jährige.

Als seine Frau 2012 starb, schwor sich Claus Müller: „Das zieh ich jetzt durch. Ich werde energetischer Selbstversorger.“ Als er 2007 den Gasanschluss kündigte, war das ein Befreiungsschlag für ihn: „Das hat sich gut angefühlt.“ Zu gerne würde Claus Müller dasselbe Abnabelungsgefühl noch einmal erleben – mit seinem Stromanbieter. Daher sympathisiert er mit einem Stromspeicher, in dem er seinen überschüssigen Solarstrom einlagern kann. Doch: „Die sind noch immens teuer“, sagt Müller. Und fügt direkt hinzu: „Das Thema ist aber noch nicht vom Tisch“. Was bereits beschlossene Sache für ihn ist, ist die Anschaffung eines Elektroautos: Der Kaufvertrag ist unterschrieben. Anfang 2017  soll das Auto vor seinem Haus stehen.

Klimaretter aus Überzeugung

Claus Müller, der Energierebell aus Uthleben. Wenn man ihn sich so kämpferisch und freiheitsliebend vorstellt, vermutet man gar nicht, dass er auch eine sehr sanfte, menschen- und naturverbundene Seite hat. Müller ist Mitglied im Naturverband WWF und im Flüchtlingshilfswerk UNHCR. Beide Mitgliedschaften decken sich mit seiner energetischen Abnabelung. Denn auch die Themen Flucht und Vertreibung hängen oft mit dem Klimawandel zusammen. Der wiederum  nachgewiesenermaßen mit CO2-Emissionen zu tun hat. Und die hat Claus Müller aus seinem Leben größtenteils verbannt. Das heißt nicht, dass er fehlerfrei ist, gelegentlich sündigt er auch: „2012 bin ich nach Kuba geflogen.“ Doch das sind Ausnahmen, in der Regel reist er mit dem Zug.

Und selbst wenn Claus Müller bald komplett unabhängig ist, wird er noch genug in Sachen Energie zu tun haben. Er ist seit 2013 Vorstand der örtlichen Energiegenossenschaft: „Auch hier heißt das Ziel auf eigenen Füßen stehen.“ Die Genossenschaft betreibt zwei große Photovoltaik-Anlagen, die auf die Dächer von Kindertagesstätten montiert sind. Die eine hat zehn, die andere 15 Kilowatt Nennleistung. „Demnächst sollen sieben weitere Anlagen dazu kommen“, freut sich Müller. „Dann haben wir 200 Kilowatt.“