Solarhaus Schaala

Wärme im Tank

Jörg Thielicke hat eine Verbindung zur Sonne. Mit seiner Firma Thüsolar rüstet er Einfamilienhäuser mit Solarthermieanlagen aus. Die erzeugen Heizungs- und Brauchwasser und speichern dieses in großen Tanks, die er ebenfalls baut.

Einmal in seinem Leben wollte der Rudolstädter ein richtig großes Projekt stemmen. Thielickes Traum war es, ein Mehrfamilien-Solarhaus zu bauen. Und das aus vielfältigen Gründen, wie er sagt: Erstens, weil es technisch anspruchsvoller ist. Zweitens, weil der Unternehmer etwas für seine Rente tun will. Und drittens, weil er seinen Heimatort, Rudolstadt Schaala, mitgestalten möchte.

Alte Porzellanfabrik

Solarhaus Schaala2014 bot sich ihm die ideale Gelegenheit. Unweit seines Wohnhauses wurde eine alte Porzellanfabrik versteigert. Er erhielt den Zuschlag. Für sein Vorhaben war das altehrwürdige Gebäude wie gemacht: Solide Substanz, viel Platz, ein bisschen extravagant und perfekt zur Sonne hin ausgerichtet.

Doch da die Immobilie seit der Wende leer stand, musste sie erst saniert werden. „Ein Neubau wäre einfacher gewesen“, sagt Thielicke. Das Bauwerk wurde entkernt, alte Brennöfen entfernt, neue Mauern gezogen und isoliert. Das Dach wurde erneuert. Auf selbiges kamen dann 160 Quadratmeter Solarthermie-Kollektoren. Das Wasser, das sie erhitzen, wird in drei isolierten Puffertanks gespeichert. Insgesamt 80 Kubikmeter, also 500 Vollbäder. „Normalerweise hätte man einen Tank verwendet, doch das ging hier aus Platzgründen nicht“, begründet Thielicke. Über fünf Jahre zogen sich die Arbeiten hin. 

Referenzprojekt sucht Nachahmer

Dank der Solarthermie verbraucht die alte Porzellanfabrik mit seinen 14 Mieteinheiten bis zu 70 Prozent weniger konventionelle Heizenergie, rechnet Thielicke vor. Für den Rudolstädter Stadtplaner Jens Kollatzsch ist das vorbildlich: „Dieses historische Gebäude zu erhalten ist alleine schon ein Gewinn. Das Ganze dann auch noch mit einer so fortschrittlichen Technologie auszurüsten, macht daraus ein Referenzprojekt, um das uns viele beneiden – und das hoffentlich noch viele Nachahmer finden wird.“

Doch es sollte nicht beim Niedrigenergiehaus mit KFW70-Standard bleiben. Thielicke und sein Architekt verwendeten auch alte Materialien wieder, etwa Kopfsteinpflaster und Schieferplatten. „Als gestalterische Elemente“, wie er sagt.

Kleine Hufeisennase

Und auch die Kleine Hufeisennase erfreut sich an Thielickes Ehrgeiz. Die Fledermaus nistet im Spitzboden, im nahegelegen Felsenkeller überwintert sie. Um die Tiere während der Bauarbeiten zu schonen, ließ Thielicke ihr Quartier umbauen, während sie Winterschlaf hielten.

Und damit die Menschen in Schaala auch etwas davon haben, hat Jörg Thielicke gleich noch ein kleines Lokalmuseum errichtet: In dem ist Porzellan zu bewundern, alte Handwerkstechnik und sogar Kuriositäten wie die beiden Torpedo-Druckflaschen, die in der alten Fabrik gefunden wurden. Ein Besuch des Solarhauses in Schaala lohnt also gleich in mehrfacher Hinsicht.


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