Energie-Scouts

Auf brennend heißer Spur

Azubis sehen die Welt mitunter mit anderen Augen. Und das ist auch gut so. Wo langjährige Mitarbeiter eventuell betriebsblind sind, erkennen sie unentdeckte Potenziale. Das gilt auch in Sachen Klimaschutz und Energieeffizienz. Sogenannte „Energie-Scouts“ spüren in ihren Ausbildungsbetrieben mit detektivischem Geschick Energieeinsparpotenziale auf und liefern Verbesserungsvorschläge. Auf diese Weise konnten in und um Erfurt bislang zahlreiche Prozesse optimiert und Tonnen an Emissionen eingespart werden. Die Energie-Detektive erkennen etwa, wo unnötig viel Prozesswärme verschwendet wird. Wo effiziente Beleuchtungstechnik Kosten sparen kann, wo ein Leck im Druckluftsystem ist oder wo Maschinen zu kompliziert gesteuert werden.

Ausbildung zum Scout

Energie-ScoutsUnd da noch kein Meister vom Himmel gefallen ist, müssen auch Energie-Scouts erst ausgebildet werden. „Dieser Aufgabe haben sich die Industrie- und Handelskammern (IHK) im Rahmen der ‚Mittelstandsinitiative Energiewende‘ verschrieben“, erklärt Karsten Kurth, Energiereferent bei der IHK Erfurt. Kurth, der auch die Scout-Ausbildung betreut, ist überzeugt: „Das ist ein absoluter Gewinn für Auszubildende und Unternehmen.“

Die IHK Erfurt hat seit 2014 rund 190 Azubis aus 50 verschiedenen Betrieben durch das dreitägige Programm begleitet. „Dabei waren die unterschiedlichsten Ansätze, über alle Fachbereiche und Branchen hinweg – von der Mitarbeitermotivation bis zum kommerziell verfügbaren Produkt“, sagt Kurth. Die Jugendlichen lernen selbstorganisiertes Arbeiten, die Notwendigkeit von Abstimmungen und die damit verbundene Verbindlichkeit.

Best Practice

Eine Zusammenarbeit ist Kurth besonders gut in Erinnerung geblieben. Die mit dem Erfurter Mikrochip-Hersteller X-FAB. Die fünf Azubis nahmen sich die Erzeugung von Druckluft vor, die ist im Betrieb immens wichtig. Allerdings ist sie auch von stark schwankendem Bedarf gekennzeichnet. Die Energie-Scouts verglichen daher zwei verschiedene Anlagen hinsichtlich ihrer Effizienz. Fazit: moderne Geräte, deren Drehzahl variabel einstellbar ist, werden den Anforderungen an möglichst geringen Energieverbrauch bei gleichbleibend hoher Qualität eher gerecht. „Mit ihnen können wir jährlich bis zu 80.000 Kilowattstunden einsparen – und damit rund 80 Tonnen CO2“, sagt Nathalie Finke, Industriekauffrau-Azubi im 2. Lehrjahr. Finke und ihre vier Mitauszubildenden haben berechnet, dass sich die Anlage bereits nach fünf Jahren amortisiert.

Sonderpreis Energieeffizienz

Preisgekrönt ist die Zusammenarbeit der IHK Erfurt und WAGO Kontakttechnik in Sondershausen. Hier haben die Azubis ein Produkt entwickelt, das ebenfalls den Energieverbrauch von Druckluftanlagen eindämmt. Ein kleines Gerät erkennt anhand von Vibrationssensoren die Druckluft-Nachfrage. Wenn nicht benötigt, regelt ein Ventil die Zufuhr komplett ab. So werden allein im Werk Sondershausen jährlich 20.000 Kilowattstunden Strom eingespart. Für die Entwicklung erhielt WAGO gemeinsam mit der IHK Erfurt 2018 den Sonderpreis Energieeffizienz. Für Hans-Reinhard Hunger von der Ingenieurkammer Thüringen ist klar: „Azubis können viel bewirken!“


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