Jenaer Elektroautoexperiment

„Die Fahrleistung ist enorm. Das ist schon ziemlich genial“, fasst Markus Würtz seine Erfahrungen mit dem Elektroauto „i3“ zusammen. Würtz ist Bereichsleiter Vertrieb beim Jenaer Nahverkehr. Im Rahmen eines Forschungsprojekts steht so ein Elektroflitzer nun den Bewohnern des Öko-Quartiers „Immergrün“ im Norden Jenas zur Verfügung. Die Wohnanlage hat 90 Einheiten und steht ganz im Zeichen der Nachhaltigkeit, wie der Name schon vermuten lässt. Die Gebäude entsprechen höchsten Energiestandards, es gibt Gemeinschaftsgärten, viele Freiflächen, jede Menge Bäume und eigens Depots für die Fahrräder der Bewohner. Nicht zu vergessen: Es gibt vier Ladesäulen für Elektrofahrzeuge, wovon eine für den i3 reserviert ist. Im Kern geht es im Projekt darum, herauszufinden, wie man Menschen die Elektromobilität schmackhafter machen kann. Denn genau wie im Rest der Republik sind Elektroautos auch bei Jenas Bürgern noch nicht der Renner. Um das zu ändern, will ein Team der Stadtwerke Jena Gruppe, zu dem auch Markus Würtz gehört „Wohnen und elektrische Mobilität näher verknüpfen“, wie der Vertriebsleiter des Jenaer Nahverkehrs und bekennende E-Auto-Fan sagt. Die Immergrün-Bewohner sollen sich mit dem Auto verbunden fühlen. Der Wagen steht deshalb ausschließlich ihnen zur Verfügung. Damit die Bewohner einen Bezug zu „ihrem“ Auto aufbauen, ist es sogar in den Farben des Projekts lackiert, erklärt Würtz.

“Immergrün“ als Lebensgefühl

Elektromobilität Stadt JenaDie Symbiose könnte besser kaum sein: Die Anlage wurde von der Wohnungsgesellschaft „jenawohnen“ gebaut und vermietet – ein Unternehmen, das zu den Stadtwerken gehört. Genau wie der Elektrowagen. Wobei er ihnen nicht nur gehört, sondern obendrein auch noch von ihnen betankt wird – mit selbst geerntetem Ökostrom. Und die Ladesäulen wurden von dem ebenfalls zur Stadtwerke-Gruppe gehörenden Energieunternehmen installiert und zur Verfügung gestellt. Hier schließt sich der Kreis, schließlich haben die Stadtwerke ein vitales Interesse an der E-Mobilität: Zum einen, weil es den Stromverkauf ankurbelt, zum anderen, weil die Lebensqualität in der Stadt und der Region mit den umweltfreundlichen Fahrzeugen deutlich steigt. Damit die Immergrün-Leute ihren Wagen möglichst einfach und bequem buchen können, kooperiert der Nahverkehr mit „teilAuto“, dem größten Carsharing-Anbieter Mitteldeutschlands. „Wir bieten den Nutzern attraktive Konditionen an, am besten in der Kombination aus Nahverkehrs-Abo und Carsharing“, sagt Würtz. Für ein Elektroauto im Carsharing-Betrieb seien die Kosten unschlagbar günstig: Fünf Euro je Monat als Grundtarif. Hinzu kommen 1,90 Euro pro Stunde und 23 Cent je gefahrenen Kilometer.

Nachhaltig mobil: bald auch mit Pedelecs

Da es sich um eine Forschungsprojekt handelt, ist der Erfolg keineswegs garantiert, sagt Würtz: „Wir wollen herausfinden, ob die Leute überhaupt Bedarf haben. Unseren Erfolg werden wir daran messen, wie sehr die Bewohner das Angebot annehmen.“ Und damit ist insbesondere die Kombination Bus, Bahn und E-Carsharing gemeint. Unser Traum wäre, so Würtz, „dass die Parkplätze im Wohngebiet fast leer bleiben, unsere Straßenbahnen und Busse gut besetzt und die Carsharing-Fahrzeuge viel unterwegs sind“. Ob der Traum wahr wird, wird sich schon bald zeigen: Das Projekt läuft noch bis Ende 2017. Dem E-Mobilitätsteam der Jenaer Stadtwerke ist bewusst, dass Jena eine Fahrradstadt ist: „Deshalb kommen bald auch Pedelecs hinzu“, sagt Würtz. Das sind Fahrräder mit einem Elektrohilfsmotor. Wie auch immer sich die Immergrün-Bewohner und die anderen Jenaer entscheiden werden. „Letztlich ist es ganz gleich, ob sie E-Auto, Pedelec, Bus, Bahn oder Fahrrad fahren oder gar laufen – Hauptsache sie kommen umweltfreundlich voran“, sagt Markus Würtz.

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