Anschub für frischen Wind

Eine Zahl mit sechs Ziffern, 650.000 Euro! Die Genossenschaft Energie in Bürgerhand Weimar eG war noch kein Jahr alt, als sie eine wegweisende Entscheidung treffen musste: beteiligen oder nicht?

„Wir haben Verträge, Windprognosen und Wirtschaftlichkeitsberechnungen der über sieben Millionen Euro teuren Investition kritisch geprüft. Am Ende stand für uns fest: Die Beteiligung am Windpark Eckolstädt ist eine Riesenchance, um zu wachsen, um die regionale Wertschöpfung zu fördern“, sagt Matthias Golle, Vorstand der Genossenschaft.

Doch Windkraftanlagen sind teuer. Die Vorlaufzeiten sind lang, der Planungsaufwand ist hoch, die Finanzierungsbasis muss gesichert sein. Zehn bis 25 Prozent Eigenkapital sind in der Regel aufzubringen, im Fall der Weimarer Genossenschaft 650.000 Euro. Für Energiegenossenschaften ist das eine große Herausforderung. „Ohne das Platzhalterdarlehen wäre die Beteiligung nicht zu realisieren gewesen. Für uns war es optimal“, meint Golle.

Speziell, um Beteiligungen von Bürgern an Windenergieanlagen zu ermöglichen, hat die DKB dieses Finanzierungsinstrument entwickelt. „Es hilft, Zeit zu überbrücken. Bürgerbeteiligungsgruppen können ein Projekt starten, ohne dass sie warten müssen, bis das komplette Eigenkapital zusammen ist“, erläutert Jens Sturm, Fachbereichsleiter Infrastruktur bei der DKB.

Beim Platzhalterdarlehen finanziert die Bank den Eigenanteil vor und stellt es dem Projekt meist über ein Genussscheindarlehen zur Verfügung. Mit der Genossenschaft schließt die Bank einen Vertrag, in dem die Übernahme des Genussrechts in einem festgelegten Zeitraum geregelt ist. Hierfür wirbt die Genossenschaft dann bei ihren Mitgliedern die Gelder ein.

Frei von Risiken ist die Investition in die Windkraft nicht. Die Projekte müssen solide kalkuliert, die Partner zuverlässig sein. „Jedes Vorhaben wird individuell überprüft. Wir finanzieren nur Projekte mit einer guten Qualität, die es ermöglichen, eine ausreichende Rendite zu erwirtschaften. Wir finanzieren nicht, wenn wir wissen, es kann richtig eng werden“, sagt Jens Sturm. Mit dem Platzhalterdarlehen fördert die Bank ganz gezielt die Bürgerbeteiligung an Energiewendeprojekten und damit regionale Wirtschaftskreisläufe.

2013 hat die knapp 60 Mitglieder starke Genossenschaft, die im vergangenen Jahr mit dem Umweltpreis der Stadt Weimar ausgezeichnet wurde, die Verträge zur Beteiligung an den beiden Windkraftanlagen unterzeichnet. Für das Geschäftsjahr 2015 plant sie erstmals eine Ausschüttung von mindestens 3,5 Prozent. Für 2016 ist eine ähnliche Ausschüttung vorgesehen. „Bei dem derzeitigen Zinsniveau ist das keine schlechte Möglichkeit, um 500 oder 1000 Euro zu parken“, findet Golle. Und vergisst nicht zu erwähnen, dass die Genossenschaft noch Mitglieder aufnimmt. Dann gebe es nicht nur eine gute Verzinsung, sondern jeder könne aktiv mitwirken bei der Energiewende.

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