Mit eigenem Strom gewinnen

Sebastian Seidl ist Förster. Nachhaltigkeit ist für ihn mehr als ein Modewort, der Begriff stammt aus der Forstwirtschaft und ist schon über 300 Jahre alt. Nachhaltiges Handeln ist Teil seines Berufsethos. Konkret: Man sollte im Wald nie mehr Holz schlagen, als nachwächst. Meist sogar etwas weniger, um auch nachfolgenden Generationen ein gleich großes oder sogar höheres Nutzungspotenzial zu übergeben. Am besten ist es, wenn das Holz vor Ort verwertet wird, in regionalen Kreisläufen. 

Die Seidls fragen sich: Was können wir tun?

Dann kam Fukushima, die Nuklearkatastrophe 2011 im fernen Japan. Die Seidls klebten sich eine Anti-Atomkraft-Sonne aufs Auto. Und fragten sich: Wie können wir beitragen zu einer Energiewende, die wie in der Holzwirtschaft nachhaltig ist? Die Strom aus heimischen Quellen erzeugt, erneuerbar und frei von Emissionen? Dann lasen sie von der Gründung der Energiegenossenschaft in Rittersdorf.

„Das Modell hat uns auf Anhieb überzeugt“, sagt Sebastian Seidl. „Unser Antrieb war, unseren eigenen Strom zu erzeugen.“ Also kauften die Eltern sechs Anteile zu je 500 Euro, für ihre vier Kinder und für sich selbst.

Auf einer ehemaligen Mülldeponie hat die Energiegenossenschaft Rittersdorf einen Bürgersolarpark errichtet, die 17.000 Module liefern bis zu 1,5 Megawatt Strom.

Das Besondere: Der in dem 250-Einwohner-Dorf bei Kranichfeld erzeugte Strom wird in einem Umkreis von 30 Kilometern von Rittersdorf auch verbraucht. Der Tarif ist preislich attraktiv, das Angebot wird mit Ökostrom aus Wasserkraft aufgestockt. Von der Agentur für Erneuerbare Energien wurde die Gemeinde im November 2015 als Energie-Kommune des Monats ausgezeichnet.

48 Mitglieder zählt die Genossenschaft. Es könnten mehr sein, findet der 39-jährige Seidl. „Ich denke immer wieder mal, wir sollten 200 sein. Warum das nicht so ist, dafür habe ich keine Erklärung. Unser Modell ist richtig gut. Es ist ökologisch überzeugend und auch wirtschaftlich attraktiv. Gerade in Zeiten mit niedrigen Zinsen müsste es dank einer ordentlichen Ausschüttung doch für alle eine Verlockung sein.“

Mit kleinen Beträgen von vielen Großes erreichen

Jeder kann der Genossenschaft beitreten, einmal im Jahr trifft man sich zur Generalversammlung. Manche zeichnen nur die Anteile, andere bringen sich darüber hinaus ein. Seidl jedenfalls kann nur jedem empfehlen, sich in einer Energiegenossenschaft zu engagieren. Mit relativ kleinen Beträgen von vielen Leuten könne man etwas Großes stemmen. „Es ist einfach ein gutes Gefühl, Teil der Energiewende zu sein“, sagt Sebastian Seidl. „Man überlässt die Stromerzeugung nicht anonymen Konzernen. Man ist beteiligt und hat mit Nachbarn zu tun, mit echten Leuten aus der Region.“