Über den Berg 

Verschandelung der Landschaft, Schatten- und Eiswurf, Vogelsterben: „Es gab viele Befürchtungen damals und es wurde jede Menge Panik gemacht“, erinnert sich Bürgermeister Reinhard Friese (CDU). Von sechs auf neun Anlagen wollte der Betreiber, die Energie-Projekte-Eichsfeld (EPE), im Jahr 2001 den Windpark auf dem Roten Berg erweitern. Die Gemeinde organisierte einen Bürgerentscheid, der denkbar knapp ausging: 51 zu 49 dagegen.

„Wir haben dann einen Kompromiss gesucht“, erzählt Antonius Lillpopp, Projektkoordinator und Gesellschafter der EPE. „Wir sind ein regionales Unternehmen, wir wohnen im Eichsfeld. Man muss die Bürger und die Politik einbinden. Sonst geht das nicht.“ Statt drei Windrädern wurde nur eines neu gebaut und dieses weiter weg vom Ort aufgestellt. Jahre später wurden zwei kleine Anlagen durch eine große mit 138 Meter Nabenhöhe ersetzt. 

„Windenergieanlagen verändern die Landschaft. Man muss sich an sie gewöhnen – und das passiert auch“, sagt Lillpopp. Ihre Akzeptanz bei den Bürgern steige, wenn statt vieler kleiner Anlagen wenige größere mit höherer Leistung und weniger Flügelumdrehungen errichtet würden.

Gemeinsam mit neun Gleichgesinnten hat Lillpopp in den Neunzigerjahren den Bau der Windparkanlage vorangetrieben. Die zehn Gründer, alle aus der Region, sind immer noch dabei. Der Windpark wurde eine Erfolgsgeschichte. Die sechs Anlagen erzeugen jährlich rund 18 Millionen Kilowattstunden Strom. Das reicht für den jährlichen Energieverbrauch von 4100 Dreipersonenhaushalten.

Reinholterode mit seinen knapp 800 Einwohnern ist Nutznießer des Parks, rund 600.000 Euro an Gewerbesteuereinnahmen spülte dieser bislang in die Gemeindekassen. „Wir haben einen wunderbaren Kindergarten, eine schöne Turnhalle, die Infrastruktur ist hervorragend, junge Familien ziehen zu uns: Das ist nicht zuletzt diesen Einnahmen zu verdanken“, sagt Reinhard Friese.

Der Bürgermeister hatte beim Bürgerentscheid gegen die Erweiterung gestimmt. Inzwischen hat er sich eines Besseren belehren lassen. „Eine Abstimmung heute würde anders ausgehen“, ist er überzeugt. Und macht sich dafür stark, dass die Kommunen bei der Ausweisung neuer Flächen für Windenergieanlagen mit ins Boot geholt werden. „Man muss die Bürger schon mitnehmen, sonst funktioniert das nicht.“

Das sieht Lillpopp ganz genauso. „Bei einem zukünftigen Repowering der Anlagen sollen auch die Bürger der Region wieder die Möglichkeit zur Beteiligung bekommen.“

www.epe-gmbh.de