Umweltschutz rechnet sich

„Wir sind beide Naturmenschen“, sagen Wolfgang und Annerose Fischer aus Schmalkalden wie aus einem Mund. Die beiden wissen die Umgebung zu schätzen: „Wir sind viel draußen, gehen wandern und genießen den Thüringer Wald.“ Die Fischers wissen nur zu gut, wie es noch  zu DDR-Zeiten in der Gegend aussah: Wegen der vielen Kohlekraftwerke herrschte dicke Luft. Das passte nicht ins Bild der beiden Naturfreunde – und so beschlossen sie, selbst aktiv zu werden.

Bereits 2004 verkauften die Fischers ihr altes, zu groß gewordenes Haus und bauten in derselben Straße, am Schmalkaldener Stadtrand, neu. „Unser Ziel war es, Ökonomie und Ökologie zu verbinden“, sagt Wolfgang Fischer. Nach diesem Motto entstand ein Einfamilienhaus mit Einliegerwohnung, das sich energetisch praktisch selbst versorgt. Das Haus ist ein leuchtendes Beispiel für moderne Technologien, die gleichsam den Geldbeutel, als auch die Umwelt schonen.

Klimafreundliche Wärme aus 110 Metern Tiefe

Solarmodule der Familie FischerDa das Heizen eines Gebäudes für gewöhnlich den größten Posten darstellt, setzten die Fischers den Hebel hier an: Noch bevor das Haus gebaut wurde, rückte eine überdimensionale Bohrmaschine an und bohrte sich 110 Meter in die Erde. Durch die Bohrung strömt Wasser nach unten, wo es von der natürlichen Erdwärme erwärmt wird, anschließend kommt es wieder nach oben. Dort empfängt es eine Wärmepumpe, die das Temperaturniveau von acht auf bis zu 55 Grad hievt – mehr als genug für die Fußbodenheizung und zum Baden. Der Prozess braucht natürlich Energie: Strom. Um sicher zu gehen, dass der nicht aus fossil erzeugten Quellen stammt, entschieden sie sich für selbst gezapften Solarstrom vom eigenen Dach. Und so ließen die Fischers im idealen Winkel zur Sonne Solarmodule installieren. Gen Osten zeigen zehn Module, gen Westen 30. Gemeinsam haben sie 9,8 Kilowatt Nennleistung.

Für Heizung und Warmwasser geben die Fischers seither nur noch 1235 Euro jährlich aus. So viel Strom verbrauchen die Pumpen. „Würden wir mit Gas heizen, wäre es das Doppelte“, sagt Fischer. „Zudem hätten wir dann CO2-Emissionen. So sind wir zu 100 Prozent sauber.“

Doch die Sonne scheint nicht immer, schon gar nicht nachts. Zu diesen Zeiten fließt also auch kein Strom. Da die Fischers aber auch kein Strom aus dem Netz kaufen wollen, entschieden sie sich, einen Stromspeicher in ihr Eigenheim zu bauen. Im Keller steht neuerdings ein Lithium-Ionen-Batteriespeicher, der fünf Kilowattstunden einlagert – und die Fischers rund um die Uhr mit selbst geerntetem Strom versorgt. Ihren Eigenbedarf decken sie seither zu rund 90 Prozent selbst.

Biokläranlage halbiert den Wasserverbrauch

Doch den Fischers ging es nicht nur um Energie. Sie sammeln in einer Zisterne zudem Regenwasser, das für die Toilettenspülung gut genug ist. Genauso zum Bewässern des Gartens und des Gewächshauses. Zudem haben sie eine Biokläranlage. In der werden die Abwässer gesammelt, Pumpen bringen Sauerstoff ein und ermöglichen so den Mikroorganismen, das Abwasser von organischen Bestandteilen zu befreien. Übrig bleibt Klärschlamm, der einmal pro Jahr abgepumpt wird. Allein diese Maßnahme spart den Fischers den Kauf von jährlich 160 Kubikmetern Frischwasser. „Wir konnten unseren Wasserverbrauch um die Hälfte senken“, freut sich Fischer.

„Die Umgebung lebenswert machen. Da wollten wir aktiv mitmachen“, begründen die Fischers ihr Engagement. Sie produzieren praktisch keine Klimaschadgase – wäre da nicht ihr Auto. Das ist den beiden nämlich noch ein Dorn im Auge. Daher liebäugeln sie mit einem Elektrofahrzeug. Doch die sind den beiden noch nicht alltagstauglich genug. Sobald ein Hersteller ein Auto mit genügend Reichweite anbietet, schlagen sie zu. Dann sind sie noch umweltfreundlicher unterwegs.