Rundum unabhängig

Familie Hundertmark aus Buttlar trägt in Sachen CO2-Fußabdruck Kinderschuhe. Die fünf Hundertmarks leben in einem Ökohaus und achten darauf, möglichst umweltfreundlich zu sein. Dabei geht es keinesfalls spaßbefreit zu, sagt Vater Andreas Hundertmark: „Wir schränken uns kein bisschen ein. Wir sehen das Energiesparen sportlich und haben Spaß daran.“

Angefangen hat alles in 1990er-Jahren: Andreas Hundertmark studierte „Energie- und Verfahrenstechnik“ in Berlin. Er lernte eine Menge über Windenergie und begeisterte sich derart für die damals neue Form der Stromgewinnung, dass er in zwei Projekte investierte. „Ich habe mein Geld zusammengekratzt und in die Windanlagen gesteckt“, sagt Hundertmark. Und fügt an: „Das hat sich voll gelohnt, sowohl finanziell als auch ökologisch. Die Anlagen stehen noch heute und erzeugen grünen Strom.“

Familienleben mit Effizienz

Energieeffizientes Haus der Familie Hundertmark aus ButtlarNach seinem Studium stieg Hundertmark zwar nicht in die Erneuerbaren Energien ein, er arbeitet  in der Automatisierungstechnik. Das Thema Effizienz zieht sich durch sein Leben wie ein roter Faden. Als er heiratete und die Kinder kamen, war schnell klar: „Wir wollen ein Eigenheim. Aber nicht irgendeins, sondern ein energiesparendes“. Das war 2005. Die Hundertmarks entschieden sich für einen Neubau, in sogenannter Holzständerbauweise. Natürlich mit vorbildlichen Energiewerten: KfW60-Standard. Solche Häuser verbrauchen rund 30 Prozent weniger Heizenergie als ein Standardhaus. Doch allein damit war es nicht getan: Den wenigen Heizbedarf den die Familie hat, deckt sie über eine Wärmepumpe. Das sind Geräte, die durch einen speziellen Prozess Wärme aus der Umgebungsluft oder dem Erdreich ziehen. Den nötigen Strom dafür bekommen die Hundertmarks geschenkt – von der Sonne. Auf ihrem Dach sind Photovoltaikmodule installiert. Tage, an denen die Photovoltaikmodule keinen Strom liefern sind rar, sagt Hundertmark. „Unter dem Strich sind wir Stromerzeuger, haben also einen Überschuss.“ Dabei bemühen sich die Hundertmarks, möglichst viel Strom selbst zu verbrauchen. So oft es geht, laden sie ihr Elektroauto. Im Haus gibt es zudem einen Holzkamin, der für knisternde Wärme sorgt. Gefüttert wird das Feuer – natürlich – mit Abfällen eines nahegelegenen Sägewerks.

Sonne wärmt Wasser

Ebenfalls auf dem Dach installiert sind Solarmodule, die mit Hilfe der Sonnenstrahlen Warmwasser erzeugen. Das tagsüber erwärmte Wasser wandert in einen 300 Liter großen Speicher und dient zum Duschen und für die Spül- und die Waschmaschine. Warum sie das alles tun? „Wir haben das Thema Klimawandel schon vor Jahren verinnerlicht und beschlossen, möglichst wenig Schaden anzurichten. Doch eines ist klar: Zu 100 Prozent umweltfreundlich kann man nicht leben“, sagt Hundertmark. „Unser größtes Klima-Manko sind die Flugreisen.“ Gelegentlich müsse er geschäftlich an Bord. Hinzu kommt auch mal ein Familienurlaub.

Neue Pläne: Stromspeicher für volle Unabhängigkeit

Die Hundertmarks denken bereits über den nächsten Öko-Ausbauschritt nach. Sie planen den Kauf eines Heimstromspeichers – dann wären sie rund um die Uhr unabhängig. „Das wäre eine Superlösung. Ich hole gerade Angebote ein“, sagt Andreas Hundertmark. Den Hundertmarks ist bewusst, dass sie für ihren Einsatz nicht immer finanziell belohnt werden. Ihnen geht es auch und gerade darum, in einer intakten Welt zu leben und keine Mitschuld an Überschwemmungen, Klimaflüchtlingen und Dürren zu tragen – und Vorbild für ihre Kinder zu sein. Zudem regen sie ihre Mitmenschen zum Nachahmen an. So sehen Energie-Gewinner aus.