Hier klappert die Mühle

Stefan Jakobi ist das, was man gemeinhin einen Charakterkopf nennt. Er hat nicht nur eine innere Einstellung, von der er felsenfest überzeugt ist, man sieht ihm seine Überzeugung auch an. Oder besser gesagt: dem Haus der Familie Jakobi. Wer sich dem Anwesen in Motzlar, im Grenzgebiet zwischen Hessen und Thüringen nähert, sieht auf dem Dach Photovoltaikmodule und vor dem Haus einen schnittigen Elektroflitzer in der Sonne funkeln. Und wer genau hinhört, vernimmt das Brummen eines Wasserrads. Keine Frage: Die Jakobis meinen es ernst.

Stefan Jakobis Haus, das er mit seiner Frau, den beiden Kindern und seiner Mutter bewohnt, ist ein lebendiges Museum. Eine Art Showroom für Energietechniken vergangener Jahrhunderte, und genauso der Moderne. Der 46-Jährige wuchs größtenteils in der Mühle aus dem 16. Jahrhundert auf. 2004 erbt er sie von seinem Opa. Jakobi liebt die alte Mühle, kein Wunder: er ist ein begeisterter Technikfan: „Die Original-Wasserräder von 1923 sind noch drauf. Daran habe ich ein Getriebe angeflanscht und betreibe einen Generator der Strom erzeugt.“ Was spielerisch klingt, hat fast industrielle Dimensionen: Die beiden Generatoren haben je 7,5 Kilowatt Nennleistung. „Im Schnitt leisten sie sechs Kilowatt, erzeugen pro Jahr also stolze 55.000 Kilowattstunden Strom“, sagt Jakobi.

Teil der Energiewende

Wassermühle der Familie Jakobi55.000 Kilowattstunden – das ist üppig. Vor allem wenn man weiß, dass der Durchschnittshaushalt pro Jahr rund 4.200 Kilowattstunden verbraucht. Die Jakobis verbrauchen allerdings viel mehr als der Durchschnitt. Schließlich haben sie ein Elektroauto – dass sie mit dem hauseigenen Strom betanken. „Meinen Eigenverbrauch zähl ich gar nicht“, sagt Jakobi. Was er aber zählt ist sein Überschuss: „Den speisen wir ins Netz.“ Kein Wunder: Für jede Kilowattstunde Wasserstrom bekommt er zwölf Cent.

Neben der Wasserkraftanlage betreiben die Jakobis  eine ansehnliche Photovoltaikanlage auf ihrem Hausdach: 50 Kilowatt Nennleistung. „Das ist schon eine Einnahmequelle. Insgesamt kommen da rund 500 Euro pro Monat rein“, sagt Stefan Jakobi. Das klingt gut, man darf jedoch nicht vergessen, dass die Jakobis kräftig investiert haben: weit über 100 000 Euro kosteten alle  Anlagen. Entsprechend langwierig ist die Amortisation.

Doch die Jakobis haben Zeit. Überhaupt geht es ihnen nicht so sehr um‘s Geld. Stefan Jakobi ist ein Getriebener: „Ein bisschen verrückt werde ich schon sein.“ Nicht ohne Grund: „Ich wollte Teil der Energiewende sein. Als ich die alte Holzsägemühle geschenkt bekam, hatte ich mich gefragt: was mach ich damit? Da war mir klar: Das Ding muss brummen. Dasselbe gilt für ein so großes Dach wie unseres: Da muss Photovoltaik drauf.“

Umweltbotschafter aus Überzeugung

Bei so viel Engagement und Antrieb ist es kein Wunder, dass Stefan Jakobi in der Region bekannt ist wie ein bunter Hund. „Ich bin der Einzige im Umkreis, der ein Elektroauto hat. Da machen sich manche schon lustig drüber.“ In den Sommerferien waren sie auf Rügen – Anreise per Bahn. Im nächsten Jahr steht eine Radrundreise an. Fliegen kommt für die Jakobis jedenfalls nicht in Frage: „Da sind die Umweltauswirkungen einfach zu krass.“ Stefan Jakobi weiß, wovon er spricht: „Vor Jahren gab es ein Hochwasser in der Gegend, da schwammen die Autos durchs Dorf. Da habe ich gemerkt: wir fahren mit all unserem Konsum voll gegen die Wand. Wir müssen was machen.“ Die Jakobis machen was – und sind damit Vorbilder.

Und so ist Stefan Jakobi eine Art Umweltbotschafter: „Es vergeht kaum ein Tag, an dem ich nicht mit Leuten aus der Gegend über Energie und Umweltschutz rede. Manchmal gehe ich ihnen und meinen Kindern schon ein bisschen auf die Nerven. Aber das muss wohl so sein.“