Gutschrift von der Sonne

Ganz klar, ihr Alltagsverhalten hat sich verändert. „Bei strahlendem Sonnenschein denkt man schon mal: Jetzt werfe ich die Waschmaschine an“, sagt Sebastian Jobst. Dabei schaut seine Frau Sabine auf ihre Handy-App. „Die zeigt an, wie viel Strom wir gerade produzieren und wie viel wir verbrauchen“, erzählt sie. „Ich freue mich total, wenn wir drei Kilowattstunden erzeugen, nur zwei nutzen und eine speichern. Das zu verfolgen ist spannend und das möchte ich nicht mehr missen.“

Die Heizungswärme kommt aus der Luft

Sabine, Sebastian und ihre beiden Kinder Marvin (5) und Vincent (1) Jobst haben eine Photovoltaikanlage auf dem Dach – und einen Stromspeicher sowie eine Luftwärmepumpe im Keller. Die Familie versorgt sich weitgehend selbst mit Energie. Eben das war ihr Ziel, als sie ihr Haus in Großobringen, ein Steinwurf nördlich von Weimar, plante. „Wir wollten möglichst energieeffizient bauen, ohne Öl oder Gas zu nutzen, und uns mit Strom aus Sonnenkraft versorgen.“

Familie Jobst blickt auf die Terrasse

Das Grundstück und das Haus selbst sind nach Süden ausgerichtet. Erbaut wurde es nach dem KfW-55-Standard. Das bedeutet: Es verbraucht 45 Prozent weniger Primärenergie als ein vergleichbarer Neubau. Ein Clou ist die Heizung nebst Lüftung mit Wärmerückgewinnung. Sie erzeugt die Wärme für die Heizung aus der Umgebungsluft und verbraucht sehr wenig Strom. „Das Geniale ist, wir wohnen jetzt seit drei Jahren hier und haben nicht ein einziges Mal zusätzlich heizen müssen, selbst bei minus 15 Grad Celsius nicht“, schwärmt der 35-jährige Bankmitarbeiter.

Gutschrift statt Nachzahlung bei der Stromabrechnung

Den Strom liefert die Solaranlage auch dann, wenn die Sonne nicht scheint. Überschüssige Energie speichert der Lithium-Ionen-Akku im Keller mit einer Leistung von 5,75 Kilowattstunden. „Das reicht größtenteils für die Nacht“, sagt Sebastian Jobst. Und ist der Speicher voll, speist die Familie Jobst den Strom ins öffentliche Netz ein, für 12 Cent die Kilowattstunde, was schon mal eine Gutschrift von 50 Euro monatlich einbringt. 

Überhaupt, das Geld. „Wenn man bei seiner Stromrechnung statt einer Nachzahlung eine Gutschrift bekommt, dann leuchten schon mal die Augen“, erzählt Sebastian Jobst. Unter 500 Euro im Jahr betragen die Heiz- und Warmwasserkosten für das 160-Quadratmeter-Haus. Allerdings, auch wenn es bei der Nutzung von erneuerbaren Energien zahlreiche Zuschüsse gibt: Die Maßnahmen kosten erst einmal, lohnen sich aber langfristig. „So nach gut einem Dutzend Jahren sollten die Investitionen wieder drin sein“, hat Sebastian Jobst durchgerechnet.

Viele Nachbarn nutzen in der Neubausiedlung eine Luftwärmepumpe in Verbindung mit Solarenergie. Man tauscht sich aus, Freunde schauen vorbei, machen sich schlau. „Sie finden das cool“, sagt Sabine Jobst. Die Bankkauffrau achtet jetzt mehr als früher auf den Sonnenschein, und womöglich guckt sie bald prüfend in die Bäume. Großobringen ist eine windige Ecke, der Wind bläst oft auch nachts. Die Familie überlegt, sich zusätzlich zur Solaranlage ein kleines Windrad aufs Dach zu setzen. Dann wäre sie noch einen Schritt weiter in Richtung Selbstversorger.