Mit der Sonne in die Zukunft

„Das Wichtigste ist“, sagt Bürgermeister Hans-Jürgen Weidt, „die Bürger von Anfang an einzubeziehen. Man muss ihnen die Ängste nehmen. Sie mit Menschen zusammenbringen, die solche Projekte bereits auf die Beine gestellt haben.“ So hat das die Gemeinde Werther auch vor der Gründung der Energiegenossenschaft gemacht. In zwei Energieforen hat sie über die Chancen der Energiewende vor Ort informiert. „Mit der Energiegenossenschaft bekommt man die Bürger ins Boot. Plötzlich dreht sich da nicht nur irgendein Windrad, sondern das eigene. Das fördert die Akzeptanz unglaublich.“

Ob Windkraft, Bioenergie oder Solaranlage: Weidt ist davon überzeugt, dass die Herstellung von klimafreundlichem Strom eine große Chance für den ländlichen Raum ist, nicht nur für seine 3351 Einwohner große Gemeinde, die sich über 65 Quadratkilometer erstreckt.

Kinder im Kindergarten

Als Beispiel nennt er den kommunalen Kindergarten in Großwechsungen, der seinen Strom von einer Solaranlage auf dem Dach bezieht. Gebaut wurde sie von der Energiegenossenschaft Helmetal eG, die Gemeinde hatte kein Geld dafür. Beide Seiten profitieren: Die Genossenschaft bekommt einen höheren Preis, als wenn sie den Strom ins öffentliche Netz einspeisen würde. Die Gemeinde zahlt weniger als beim Grundversorger, sie erzielt zudem Einnahmen über die Vermietung des Daches. Das wirkt sich positiv auf die Betriebskosten und somit auch auf die Kita-Gebühren aus. „Ein richtig tolles Modell“, findet Weidt. 

Ein anderes ist das Werther Mobil, ein Elektroauto, das aus erneuerbaren Energien gespeist wird. Die Jugendfeuerwehr nutzt den Renault Kangoo für Ausfahrten ins Zeltlager. Pflegeheime fahren mit ihm ihre Bewohner ins Theater oder in die Kirche. 

Vor allem für die älteren Mitbürger ist es gedacht. „Viele sind nicht mehr so mobil. Sie haben Probleme, sich zu versorgen oder zum Arzt zu kommen“, sagt Weidt. Und der öffentliche Nahverkehr wird immer stärker ausgedünnt. Mit dieser Dienstleistung können viele länger in ihrem gewohnten sozialen Umfeld bleiben.

Seit Kurzem hat die Gemeinde außerdem einen ehrenamtlichen Fahrerpool aufgebaut. Nach dem Motto „Bürger helfen Bürgern“ stellen sich Ortsansässige als Fahrer zu Verfügung. Sie holen die älteren Mitbürger von zu Hause ab und bringen sie etwa zum Einkaufen. Der Fahrtpreis beträgt für eine einfache Strecke pauschal 2,50 Euro.

„Für das Selbstwertgefühl ist es unheimlich wichtig, sich wieder selbst versorgen zu können, unter anderen Menschen zu sein und darüber entscheiden zu können, wofür man sein Geld ausgibt“, sagt Weidt. Es habe einer längeren Anlaufzeit bedurft, bis die Menschen das Werther Mobil angenommen haben. „Auch hier musste erst ein Vertrauensverhältnis entstehen“, meint der Bürgermeister. „Aber jetzt ist es ein ganz großer Erfolg.“

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