Kein Abfall, sondern pure Energie

Was passiert im Innern einer Mülldeponie? Es entsteht sogenanntes Deponiegas. Da es sich bei dem „Müll“ zum Teil um organische Verbindungen und Materialien handelt, laufen biochemische Abbauprozesse – dabei entsteht auch Methan, also nutzbares Gas. „Dieses Gas wird auf manchen Deponien einfach abgefackelt“, sagt Tim Wagner, Geschäftsleiter des Zweckverbands Restabfallbehandlung Ostthüringen, kurz ZRO. „Dafür ist es zu  schade“, sagt Tim Wagner. In Großlöbichau, zwischen Jena und Bürgel in Ostthüringen,  läuft mit dem Gas ein Blockheizkraftwerk, das Strom und Wärme liefert.

Allerdings lässt das Gasaufkommen von Deponien im Laufe der Jahre nach. Relevant sind die Gasmengen eigentlich nur während der aktiven Einlagerungsphase – also so lange Mülllaster auf die Deponie rollen. Irgendwann werden die Anlagen geschlossen. Genau das war 1995 in Großlöbichau der Fall. „Die alte Deponie war voll“, sagt Tim Wagner. Hier wurden in der Zeit von 1986 bis 1995 etwa 800 000 Kubikmeter Abfälle eingelagert. Nach der Rekultivierung der Oberfläche befindet sie sich daher seit 2014 in der sogenannten Nachsorgephase. „Die Deponie sieht nun aus wie ein großer grüner Hügel.“, beschreibt Wagner. In dieser Nachsorgephase entsteht im Innern kaum noch Gas, dennoch muss der Müllberg nach wie vor beobachtet und kontrolliert werden.

1,2 Millionen Kubikmeter Müll

Kraftwerk der Deponie GroßlöbichauDa zwar die Deponie Großlöbichau voll war, das Müllaufkommen der Umgebung aber keinesfalls endete, entstand in direkter Nachbarschaft zwischen 1993 und 1999 eine zweite Deponie. Sie fast 1,2 Millionen Kubikmeter und wird bis voraussichtlich 2035 in Betrieb sein. Doch seit 2005 gibt es neue rechtliche Anforderungen, die besagen, dass Abfälle nur noch minimale organische Bestandteile beinhalten dürfen. „Eine starke Entlastung für die Umwelt“, sagt Wagner und fügt an: „Für uns bedeutet das allerdings deutlich weniger Gas.“ In Folge dessen war auch das alte Blockheizkraftwerk überdimensioniert und konnte nicht mehr wirtschaftlich betrieben werden. Daher entschied der ZRO das Kraftwerk gegen ein kleineres auszutauschen. „Aus 190 Kilowatt Nennleistung wurden 50 Kilowatt“, sagt Wagner. Die Anlage ist aber noch immer groß genug, um die Werkstätten, die Büros und sonstigen Betriebsgebäude zu versorgen. Und zwar nicht nur mit Strom, sondern auch mit Wärme. Die Abwärme des Kraftwerks beheizt aber nicht nur die Betriebsstätten – sie  hilft auch beim Reinigen der Deponiewässer. Das wird in einer Anlage von Mikroorgansimen gesäubert – „und die arbeiten im Warmen besser“, erklärt Wagner.

185.000 Kilowattstunden Sonne

Damit sich die Deponie in Großlöbichau mit Energie selbst versorgen kann, entstand 2015 auf der alten, rekultivierten Deponie eine große Photovoltaik-Freiflächenanlage mit einer Nennleistung von 210 Kilowatt. Sie wurde durch das 1000-Dächer-Solar-Programm des Freistaates Thüringen gefördert und liefert pro Jahr 185.000 Kilowattstunden. „Die Kombination aus verkleinertem Kraftwerk und Photovoltaikanlage war die wirtschaftlichste Variante zur Deckung des Eigenbedarfes an Strom“, sagt Wagner. Zeitgleich wurden auch noch Pumpen, elektrische Geräte und die Beleuchtungsanlage energetisch modernisiert.

Wie das Beispiel Großlöbichau zeigt, leisten selbst Mülldeponien einen wertvollen Beitrag zum Umweltschutz. „Der jährliche Stromverbrauch des ZRO konnte von rund 540.000 Kilowattstunden im Jahr 2009 auf etwa 280.000 Kilowattstunden im laufenden Jahr gesenkt werden“, sagt Wagner.