Viel hilft viel

Harry Ellenberger ist ein Pionier der Energieeffizienz. Schon Ende der Achtzigerjahre hat er sein Haus mit allerlei Material gedämmt: „Die Nachbarn haben gestaunt, was ich da so alles reinlege, reinmauere und verputze.“ Hätte jemals ein Atomkraftwerk in Thüringen gebaut werden sollen, er hätte dagegen demonstriert . „... aber mit Anlauf!“, betont er.

Heute kann er seine Überzeugungen auch im Job einsetzen, in der Verwaltung des Landkreises Schmalkalden-Meiningen. Glück für Ellenberger, dass neben Landrat Peter Heimrich auch viele Kreistagsmitglieder und Kollegen gegenüber klimafreundlichen Energien aufgeschlossen sind. Deshalb werden hier grüner Strom und Wärme erzeugt, genutzt und verkauft. Solarenergie, Erdwärme, Bioenergie, Kraft-Wärme-Kopplung und die energetische Verwertung von Haus-, Sperr- und Gewerbemüll sind Standard. Über Jahre wurde in eigene Gebäude und Anlagen investiert, insbesondere in Schulen und Sporthallen.

Schmalkalden-Meiningen macht vieles vor und gibt sein Wissen weiter. Ein Arbeitskreis Energie, bestehend aus Vertretern der Forstwirtschaft, Verwaltung, Ingenieuren und Planern berät Bürger und Unternehmen. Das wirkt, weiß Harry Ellenberger: „Durch die Beratungen werden entsprechende Investitionen getätigt, weil wir die Menschen überzeugen. Am Ende profitieren nicht nur Klima und Kasse, sondern auch die regionale Wirtschaft.“

Neue Projekte sind in der Mache: Zwei Elektrobusse könnten bald im ÖPNV eingesetzt werden. Noch in diesem Halbjahr geht eine weitere 100-kWp-Photovoltaik-Dachanlage in Betrieb. Harry Ellenberger prognostiziert: „Wenn in ein paar Jahren wirtschaftliche Energiespeicher auf den Markt kommen, verbrauchen wir den gesamten Strom selbst.“

Die Hochschule Schmalkalden prüft derzeit, wie man die rund 15.000 Tonnen Grünschnitt, die im Landkreis jährlich anfallen, energetisch verwerten kann. Statt sie in Kompostieranlagen privater Firmen zu bringen, soll das Pflanzengut zu Briketts aufbereitet und in fünf Pelletsanlagen kreiseigener Schulen verbrannt werden. Oder ganz anders: Der Grünschnitt wird in Pflanzenkohle umgewandelt. Dadurch entsteht Wärme, die man verkaufen kann. Pflanzenkohle wird außerdem in der Automobilindustrie für Aktivkohlefilter oder in der Landwirtschaft gebraucht. Auch hier steht für Ellenberger und seine Mitstreiter die Wirtschaftlichkeit ganz oben: „Wir sind dabei, den für uns günstigsten Weg zu finden und mit der Hochschule die entsprechende Umsetzung zu optimieren.“