Alles andere als auf dem Holzweg

Der Oberbürgermeister der Stadt Suhl ist promovierter Förster, also ist Holz auch beim Thema Energiewende sein Steckenpferd. „Als Förster will ich erreichen, dass man Bäume nicht wie heilige Kühe behandelt, sondern als Teil des Ökosystems“, sagt Dr. Jens Triebel. Sein Ziel ist eine planmäßige Bewirtschaftung des kommunalen Baumbestandes – in Suhl immerhin 70 Prozent des Stadtgebietes – um die Haushaltskasse zu entlasten. Statt das abgeschnittene Grün kostenpflichtig zu entsorgen, vielerorts gängige Praxis, soll es in Suhl energetisch genutzt werden. Dafür muss Triebel viele Bürgerinnen und Bürger mit seinem Fachwissen davon überzeugen, dass Baumschutz sich mit einer betrieblichen Nutzung verbinden lässt. 

Bereits 2011 hat die Stadt eine Kita komplett aus Holz gebaut. Damit wirbt Triebel für eine Renaissance des CO2-neutralen Baustoffs. „Wenn ich mit Holz baue, verfolge ich ein klares Nachhaltigkeitsziel. Die Kinder beschäftigen sich automatisch damit, die Eltern sehen die Bauweise und erleben das angenehme Raumklima. Im Gegensatz zu Beton wird Holz einfach durch Sonneneinstrahlung produziert und kann selbst nach einem Abriss immer wieder verwertet werden. Das ist doch genial!“ 

Eine andere, holzfreie Idee wird bald umgesetzt: Auf der Mülldeponie von Suhl soll durch gesteuerte Zersetzungsprozesse energetisch verwertbares Methangas erzeugt und in ein Blockheizkraftwerk eingespeist werden. Der so erzeugte Strom würde die Deponietechnik versorgen, die generierte Wärme könnte das Waldbad heizen. 

Auf einem anderen Abschnitt der Deponie hat die Kommune einen Photovoltaikpark mit 1,3 Megawatt Leistung errichtet. Hier sagt Triebel klar: „Energiepolitische Ziele erreicht man nicht durch Ideologie. Sie müssen wirtschaftlich sein.“ Ziel aller Projekte ist deshalb immer ein wirtschaftlicher Vorteil, weil jede Maßnahme vor dem Stadtrat vertreten werden muss. Da steht die Kostenersparnis an erster Stelle.

Das funktioniert auch ohne große Investitionen. Durch bessere Überwachung der Anlagentechnik und Schulung der Hausmeister von kommunalen Gebäuden konnten in Suhl beträchtliche Energie- und Kosteneinsparungen erzielt werden.

Triebel steht ausdrücklich hinter der Energiewende, als Förster ist er der Nachhaltigkeit verpflichtet. Er weiß aus Erfahrung: „In der Realität stößt man schnell an ideologische, politische und finanzielle Grenzen.“ Für ihn Ansporn, aus Überzeugung weitere Projekte auf den Weg zu bringen.