Kaum Gegenwind in Tanna

In Tanna stehen 12 Windkrafträder, die nächsten drei sind beantragt. Bürgerinitiativen, Proteste, Petitionen? Bürgermeister Marco Seidel winkt ab: „Natürlich gibt es Fragen und auch Bedenken, deshalb muss man viel kommunizieren und den Prozess transparent gestalten. Die heutigen Anlagen sind zudem technisch so weit, dass man kaum etwas merkt.“ Die letzten drei Anlagen wurden von einem sächsischen Windenergieunternehmen aufgebaut, das in diesem Sinne gearbeitet hat. Ein „Tag der offenen Baustelle“, Einladungen für Schüler und interessierte Bürger der Gemeinde sorgen für eine positive Grundstimmung und Wissen statt Spekulation.

Tanna wurde bereits 1995 als Windvorranggebiet ausgewiesen, die Menschen kennen das Thema und gehen entsprechend entspannt damit um. Sie haben klimafreundlichen Strom, aber auch noch mehr: „Mit den Mitteln für den gesetzlich vorgeschriebenen Ausgleich haben wir die Fläche eines verfallenen Freibades renaturiert und einen Feuerlöschteich angelegt. Wenn da mal jemand schwimmt, hat niemand ein Problem damit.“ Außerdem wurde ein Bach wieder an die Oberfläche verlegt und ein maroder Agrarbetrieb abgerissen, alle versiegelten Flächen entfernt und mit Bäumen und Büschen bepflanzt und somit der Natur zurückgegeben. 

Bürgermeister Seidel sieht die Windenergie positiv: „Windkraftanlagen sind mir zehn Mal lieber als ein Kohle-, Atom- oder sogar ein Ölkraftwerk. Neben der Wasserkraft ist die Windkraft das Nonplusultra für umweltfreundlichen Energiegewinn. Der Wind ist einfach da.“

Natürlich hat die Stadt Tanna mit ihren 11 Dörfern auch Photovoltaikanlagen, ein Holzhackschnitzel-Heizwerk und ein Satelliten-Blockheizkraftwerk. Die Umrüstung der Straßenbeleuchtung auf LED hat Seidel auf dem Zettel: „Wir sind eine Flächengemeinde mit viel Infrastruktur, die Investition holen wir allein durch die Stromersparnis in drei bis vier Jahren wieder rein.“ 

Nur einen Wermutstropfen hat die saubere Energie für Seidel noch: „Unsere Überkapazitäten müssen wir heute durch das Stromnetz jagen, weil die Speichermöglichkeiten fehlen. Sobald sich das ändert, ist es rundum sinnvoll und lohnend.“