Klassik Stiftung Weimar

Minimal invasiv

Das Neue Museum Weimar ist alt und neu zugleich. Es eröffnete 1869 und zeigt seither zeitgenössische Kunst. Im 2. Weltkrieg wurde das Gebäude zur Ruine gebombt. „Es verfiel allmählich, der Volksmund nannte es Taubenklo von Weimar“, sagt Baudenkmalpflegerin Ulrike Glaser von der Klassik Stiftung Weimar.

In den 1990er-Jahren wurde es wieder aufgebaut. Es sollte seinen Charme wieder erhalten. Doch da es als Tageslicht-Museum konzipiert ist, lässt es durch die großen Fenster auch viel Wärme rein. Ein Manko: Empfindliche Kunstobjekte konnten nicht ausgestellt werden, da sich zu hohe als auch zu geringe Temperaturen und Luftfeuchtigkeit negativ auf das Kunstgut auswirkten. Die damals installierten Halogenstrahler heizten das Museum zusätzlich auf. „Das Gebäude ist eben nicht für die konservatorischen Anforderungen des 21. Jahrhunderts gemacht“, sagt Glaser.

Bündel an Maßnahmen

Klassik Stiftung Weimar„Wir haben gemeinsam mit den Architekten des Erfurter Büros Kummer, Lubk & Partner überlegt, wie wir das in den Griff bekommen. Ziel war es, die klimatischen Bedingungen im Museum so gering invasiv wie möglich zu verbessern“, sagt Glaser. Architekt Markus Sabel ergänzt: „Die Herausforderung war, das denkmalverträglich umzusetzen, mit möglichst wenig Eingriffen in die historische Bausubstanz.“

Es entstand ein ganzes Bündel an Maßnahmen. Etwa wurde eine Kälteanlage „unsichtbar“ im Dachraum eingebaut. Die saugt durch Öffnungen in der Decke warme Luft ein, kühlt sie ab und leitet sie wieder zurück. Um die Klimastabilisierung CO2-neutral zu gestalten, wurden auf dem Glasdach lichtdurchlässige Photovoltaikmodule installiert, die durch die Verschattung gleichzeitig den Wärmeeintrag reduzieren. Sie erzeugen jährlich in etwa so viel Energie, wie die Kälteanlagen im Betrieb benötigen.

Kühlender Fußboden

Ferner wurde die, in allen Räumen in den 90ern installierte Fußbodenheizung so umgerüstet, dass sie im Sommer kühlt. Dazu strömt kaltes Wasser durch das Rohrsystem. Den von der Hitzeeinwirkung am stärksten betroffenen Südflügel schotten Glastüren ab. Und an den Fenstern weisen spezielle Folien die Hitze zurück.

Apropos Licht. Auch die Beleuchtung wurde umgestellt: auf LED. „Dies senkt nicht nur die Energiekosten, sondern auch den Wärmeeintrag“, sagt Glaser. Die Leuchten werden, abhängig vom natürlichen Licht, so gesteuert, dass stets dieselbe Helligkeit herrscht.

Weimarer Malerschule

Die Umbauarbeiten haben sich gleich mehrfach gelohnt. Das Neue Museum erhielt bereits 2017 den Thüringer EnergieEffizienzpreis. Im April 2019 eröffnete das Museum mit einer ständigen Präsentation der Kunst der frühen Moderne – von der Weimarer Malerschule bis zu Henry van de Velde. Kunsthistorikerin Sabine Walter freut sich über das Klima in ihrem Haus: „Wir präsentieren jetzt Gemälde, Plastiken und Designstücke.“


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