Grünes Gas für die Region

Wenn Joachim Külbel von der Nordhäuser Biomethananlage erzählt, gerät er  ins Schwärmen: Sehr effizient und besonders ökologisch arbeite das Kraftwerk. Der Prokurist der Energieversorgung Nordhausen-Biomethan GmbH ist ein echter Spezialist in Sachen Biogas: „Normalerweise erzeugen Biogasanlagen Strom in sogenannten Blockheizkraftwerken. Bei uns ist das anders, wir bereiten das Gas auf und speisen es mit Erdgasqualität ins Netz. So kann das Gas regional oder überall in Deutschland genutzt werden.“ Vorteil dieser Variante ist, dass man die gesamte Energie umsetzt. Denn bei der Stromproduktion im Blockheizkraftwerk fällt viel Wärme an, und die kann oftmals nicht verwertet werden, da es in der Nähe der Anlagen schlicht keine Abnehmer gibt. Deshalb strömt das Nordhäuser Biogas zunächst in das Netz, und darüber zu Unternehmen, Privathäusern und zwei Blockheizkraftwerken, die es in Strom und Wärme verwandeln.

Kurze Wege für die Bauern

Wie alle Biogasanlagen wird auch die in Nordhausen mit Biomasse betrieben. Allerdings ausschließlich auf Basis pflanzlicher Stoffe. Tierische Produkte, etwa Essensreste aus der Gastronomie, kommen nicht zum Einsatz. Überhaupt stehen die Zeichen in Nordhausen auf maximaler Nachhaltigkeit: Kurze Wege heißt das oberste Gebot. Die Anbauflächen für Mais und Zuckerrüben liegen in der direkten Umgebung der Anlage. „Die Distanz zum am weitesten entfernten Feld beträgt nur 23 Kilometer“, freut sich Külbel. Damit fallen Emissionen für lange Transportwege weg – ein Riesenvorteil für die Umwelt. Der Mais sei in seiner Kohlenstoffdioxid-Bilanz besonders attraktiv, sagt Külbel: „Die Pflanze nimmt viel CO2 auf, das überwiegt die Transportemissionen bei Weitem.“

Nordhausen-Biomethan GmbHNeben Mais und Zuckerrüben setzt man in Nordhausen auf eine regionale Spezialität: Getreideschlempe, das Abfallprodukt des nur drei Kilometer entfernt angesiedelten Spirituosenherstellers Nordbrand Nordhausen GmbH. Dort fallen große Mengen dieser Schlempe an. Die ist nicht nur äußerst energiereich, und damit für die Biomethanproduktion prädestiniert, sondern obendrein üppig temperiert, was dem Prozess einen Extra-Energieschub verleiht: „60 bis70 Grad Celsius“, sagt Külbel. Und fügt an: „Das war mit ein ausschlaggebender Punkt, die Anlage an dieser Stelle zu bauen.“ Normalerweise müssen die Fermenter, also jene Bioreaktoren in denen die Biomasse vergärt, beheizt werden, um den Prozess in Gang zu setzen und aufrecht zu erhalten. In der Nordhäuser Anlage übernimmt diesen Job zu einem Großteil die heiße Getreideschlempe. Külbel: „Unsere Wärmebilanz ist super, wir konnten das Zuheizen massiv senken.“ Kein Wunder: An jedem Werktag werden dem Prozess rund 50 Tonnen Schlempe zugeführt.

Klimaschutz schafft Arbeitsplätze

Die etwa drei Fußballfelder große Anlage arbeitet an 365 Tagen im Jahr und versorgt die Stadt Nordhausen nicht nur mit Biomethan, sondern auch mit zusätzlichen Arbeitsplätzen. Zudem profitiert die lokale Wirtschaft – etwa die Bauern und Transportunternehmen. Erfreulich für die lokale Wirtschaft ist auch , dass die Anlage zu einem Großteil von regionalen Unternehmen gebaut wurde – ohne jegliche Subventionen. Zusätzlich verbleiben auch die Wartung und Servicearbeiten  in der regionalen Wertschöpfungskette.

Was bei einer Biogasanlage wirklich zählt, ist das, was am Ende rauskommt: In Nordhausen sind das über 34 Millionen Kilowattstunden Biomethan. Eine enorme Menge, die sonst über Pipelines von weit her nach Nordhausen transportiert werden müsste – mit großen Belastungen für die Umwelt. „Unser Gas hat eine brillante Umweltbilanz im Gegensatz zu Importen“, freut sich Külbel. Und nicht nur er, auch die  Haushalte in Nordhausen freuen sich über die grüne Energie aus der Region.

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