Agrargenossenschaft Königsee

Niedrigenergie macht Schule

Schulkomplex sucht Heizung. Biogasproduzent sucht Wärmeabnehmer. Was liegt da näher, als beide zusammen zu bringen? Genau das geschah in Königsee, am Fuße des Thüringer Waldes. Dort entstand ein regionaler Energiekreislauf.

Wie das gehen soll? Ganz einfach: Die Landwirte, die der Agrargenossenschaft Königsee angeschlossen sind, liefern in Form von Gülle den Treibstoff für eine Biogasanlage. Die erzeugt in ihren Blockheizkraftwerken in erster Linie Strom, doch dabei fällt auch immer Abwärme an. So lag es nahe, diese Wärme vor Ort zu nutzen – um einerseits den Wirkungsgrad zu erhöhen, andererseits das Schulgebäude nachhaltig zu beheizen. Und so verbindet nun eine 1400 Meter lange Nahwärmeleitung Schule und Biogasanlage. Durch sie strömt rund 80 Grad heißes Wasser.

Wertschöpfung vor Ort

Agrargenossenschaft KönigseeDie Leitung, beziehungsweise deren Inhalt, deckt rund 70 Prozent der gesamten Heizenergie des Schulkomplexes, den rund 500 Schüler besuchen. „Die Heizkosten der Gebäude konnten um jährlich 30.000 bis 35.000 Euro reduziert werden“, freut sich Peter Lahann vom Landratsamt Saalfeld-Rudolstadt.

Die stählerne und massiv isolierte Nahwärmeleitung wurde in nur sechs Wochen von einem ortsansässigen Unternehmen gebaut – so blieb ein Großteil der Wertschöpfung vor Ort.

Bei dem Konzept gibt es Gewinner auf allen Seiten: Die Agrargenossenschaft mit ihren 800 Milchkühen profitiert von der sogenannten Kraft-Wärme-Kopplungs-Zulage, mit der die Bundesregierung solche Anlagen fördert, der Schulkomplex bekommt günstige, erneuerbare Wärme geliefert und der Umwelt bleiben Tonnen an CO2 erspart. „Eine runde Sache“, wie Ragnar Hercher, Vorstandsvorsitzender der Agrargenossenschaft, sagt.
Energetische Sanierung

„Der Landkreis setzt sich seit geraumer Zeit für den Klimaschutz ein. Da ist es eine Freude, zu sehen, dass eine Anlage, welche mit erneuerbaren Energien Strom und Wärme erzeugt, solch einen Erfolg hat“, sagt Christopher Bratke, Energiemanager im Landratsamt Saalfeld Rudolstadt.

Doch wo landet die Wärme im Sommer, wenn in der Schule keine Heizung benötigt wird? Auch hierzu haben sich Peter Lahann und seine Kollegin ein cleveres Konzept ausgedacht, wie er erzählt: Mit der Abwärme werden Holzhackschnitzel getrocknet, die dann im Winter in anderen Einrichtungen verfeuert werden.

Parallel zum Anschluss ans Biogas-Nahwärmenetz erfolgte die energetische Sanierung des 1976 erbauten Schulkomplexes: „Dach und Fassade wurden gedämmt, neue, dreifach-isolierte Fenster sowie neue Türen eingebaut“, sagt Lahann.

Sonnenstrom vom Dach

Auf den Dächern wurden zudem Photovoltaikanlagen installiert. Sie haben eine Nennleistung von 59,62 Kilowatt. Der Strom, den sie liefern, dient dem Eigenverbrauch. In den Ferienzeiten und am Wochenende, aber auch während des normalen Schulbetriebs speisen die Anlagen den überschüssigen Strom ins Netz – so ist die Schule in Königsee auch noch Ökostromerzeuger. Alles in allem erspart der Schulkomplex dem Klima so pro Jahr rund 184 Tonnen CO2.


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