Stromfresser ausgepresst

Die Erfurter kennen die Schuler AG schlicht als Umformtechnik. Schon 1897 wurden hier Stanzen und Scheren produziert. Heute ist das Unternehmen mit Hauptsitz im schwäbischen Göppingen Technologie- und Weltmarktführer in der Umformtechnik. Auf den Pressen und Pressenlinien von Schuler formen Automobilhersteller und Zulieferer auf der ganzen Welt Türen, Dächer, Motorhauben und andere Teile, die im Sekundentakt die Maschinen verlassen. Ein modernes Industrieunternehmen mit hohem Energieverbrauch.

Die ab 2009 stetig wachsenden Energiekosten waren dann auch der Auslöser für umfangreiche Energieeffizienzmaßnahmen. Als die Kosten mit Umsatzsteigerungen nicht mehr aufzufangen waren, wurden am Standort Erfurt Untersuchungen zu Einsparmöglichkeiten beim Verbrauch gemacht. Ausgangsbasis war der mittlere Energieverbrauch von ca. 24.500.000 Kilowattstunden pro Jahr. Die größten Energiefresser waren schnell gefunden: Druckluftstation, Herdwagenglühofen, Hallenbeleuchtung und -heizung. Jörg Hauschild, Leiter der Werksinstandhaltung, konnte mit seinem Energieteam innerhalb von fünf Jahren 4.000.000 Kilowattstunden pro Jahr einsparen: „Hätten wir nichts gemacht, lägen die Kosten heute 20 Prozent über dem Ausgangswert.“

Schuler hat in Deutschland zehn Standorte, Erfurt ist in Sachen Energiemanagement vorangegangen. „Wir haben eine Menge gemacht, jetzt werden die Stellschrauben natürlich kleiner, aber trotzdem wirksam. Zum Beispiel haben wir die Steuerung der Hallenbeleuchtung so erweitert, dass die Hallenmeister über ihren Computer eingreifen können. Mit solch kleineren technischen Dingen wird es weitergehen“, sagt Hauschild. Und mit den Ideen motivierter Mitarbeiter: „Das Bewusstsein für energetisch sinnvolles Handeln ist bei unseren Kollegen vorhanden, das kann man jeden Tag sehen“, bestätigt er.

Auch die eigenen Produkte werden immer energieeffizienter: Bei den Servo-Pressenlinien der jüngsten Generation gelang es Schuler, den Energiebedarf zu halbieren. Der eingesparte Strom entspricht dem durchschnittlichen Jahresverbrauch von 750 Vierpersonenhaushalten. Das war mit ein Grund, warum die Schuler AG Ende Januar den Volvo-Qualitätspreis gewonnen hat: „Nachhaltigkeit ist ein ganz harter Wettbewerbsfaktor. Ohne das kommt man als Lieferant oft gar nicht mehr infrage.“