Hier hat Bio Tradition

Bioenergie hat in Schkölen lange Tradition. Hier, im nördlichen Teil des Saale-Holzland-Kreises, entstand 1993 Deutschlands erstes Strohheizwerk. So nennt man Anlagen, die durch das Verbrennen von Stroh Wärme erzeugen und damit Betriebe und Bürger beliefern.

Mittlerweile wurde das ehemalige Strohheizwerk in ein Holzhackschnitzel-Heizkraftwerk verwandelt. „Das Strohheizwerk war nicht mehr wirtschaftlich zu betreiben“, sagt Bürgermeister Matthias Darnstädt. Wichtigste Neuerung: Die Kraft-Wärme-Kopplung. Im neuen Holzhackschnitzel-Heizkraftwerk wird nicht nur Wärme erzeugt, sondern gleichzeitig auch Strom. „Das bringt  den Gesamtwirkungsgrad auf ein neues Niveau“, sagt Energieberater Thomas Winkelmann vom EnergieTeam der Regionalen Aktionsgruppe Saale-Holzland e.V. in Nickelsdorf.

Wärme für Gewächshaus und Tomaten

Holzreste für die Holzhackschnitzel-HeizkraftwerkeIn Holzhackschnitzel-Heizkraftwerken verbrennen Holzreste. Meist ist das sogenanntes Waldrestholz, also Äste und Sägereste, die beim Fällen von Bäumen übrig bleiben. Beim Verbrennen erhitzt das Holz Wasser in einem großen Kessel, das zu Dampf wird und anschließend eine Turbine antreibt. Die leistet 5,36 Megawatt elektrische Energie, liefert also Strom. Quasi nebenbei fallen 17,2 Megawatt thermische Energie an – Abwärme.

Während der Strom ins Netz gespeist wird, bleibt die Wärme vor Ort. Die rund 500 Fernwärmekunden sind ohnehin an das Fernwärmenetz angeschlossen, also nutzt man es. Doch der Löwenanteil der Wärme landet in einem neun Hektar großen Gewächshaus. Bei mediterranen Temperaturen gedeihen dort zwischen März und November Tomaten. Und durch die räumliche Nähe zum Gewächshaus bietet sich eine weitere Nutzung an: „Das im Abgas enthaltene CO2 könnte in Zukunft separiert werden und für die optimale Entwicklung der Pflanzen sorgen“, erklärt Winkelmann.

Afrikanische Welse aus Thüringen

Direkt gegenüber des Holzheizkraftwerks steht  eine Biogasanlage. Deren Bau lag nahe, da am Rande der Stadt ein Schweinezuchtbetrieb angesiedelt ist. Die rund 1.000 Tiere machen naturgemäß eine Menge Mist. Und der ist äußerst energiereich. Neben den 10.000 Tonnen Gülle wandern pro Jahr 15.000 Tonnen Maissilage und 500 Tonnen Getreide in den Gärbehälter – „alles aus direkter Nachbarschaft“, sagt Winkelmann. Das dabei produzierte Biogas wird durch eine Leitung an drei Blockheizkraftwerke und vier kleine Gasturbinen geleitet – so werden Strom und Wärme dort erzeugt, wo sie gebraucht werden – das hält die Verluste klein. Der Strom fließt ins Netz, die Wärme bleibt auch hier vor Ort. Sie heizt Stallanlagen, Büro- und Aufenthaltsräume sowie eine Werkstatt.

Und dann gibt es in Schkölen noch eine lokale Spezialität: eine Fischzuchtanlage für Afrikanische Welse, die mit der Abwärme der Biogasanlage beheizt wird. Die Tiere gedeihen im 25 Grad warmen Wasser prächtig. Und so gehen pro Jahr rund 100 Tonnen Fisch über die Theke des Hofladens. „Die Anlage läuft optimal“, freut sich Thomas Winkelmann.

Klimaschutz bringt 80 neue Jobs für die Region

In Schkölen zeigt sich: Durch das geschickte Vernetzen verschiedener Quellen und Abnehmer lassen sich Synergieeffekte erzielen. Der Anteil Erneuerbarer Energien am Strom- und Wärmemix hat sich seither enorm gesteigert. Gleichfalls sank die Umweltbelastung durch das Freisetzen von klimaschädlichen Treibhausgasen. Ganz zu schweigen von den sozialen Vorteilen, die die Anlagen und die mit ihnen angesiedelten Betrieben bieten: „Alles in allem sind in der Region rund 80 Arbeitsplätze entstanden“, sagt Thomas Winkelmann.

Nicht zu vergessen: Mit den Unternehmen und Arbeitsplätzen fließen Steuern in die Kasse. Und die werden sinnvoll eingesetzt: In der Stadt entstand ein Familienspielplatz für Erneuerbare Energien – hier lernen Groß und Klein spielerisch, wie Wasser bergauf fließt, warum eine „Sonnenliege“ warm wird und wie viel Kraft im Wind steckt.