Wurzbach leuchtet ein

Not macht erfinderisch. „Ich musste überlegen, wo ich einsparen kann, ohne irgendwem weh zu tun“, sagt Jan Schübel, Bürgermeister der thüringischen Kleinstadt Wurzbach. Keine leichte Aufgabe. Aber eine, die sich lösen lässt, wie Schübel schnell erkannte: „Die Straßenbeleuchtung ist einer der großen Posten bei den Ausgaben.“ Also setzte er den Kostenhebel genau dort an.

Zunächst erkundigte sich Jan Schübel nach modernen, stromsparenden LED-Strahlern. Doch 2013, als er mit dem Rotstift hantierte, waren die noch zu teuer. Auch Förderprogramme gab es damals nicht. Da meldete sich der Vertreter eines Unternehmens, dass sich auf das Thema Straßenbeleuchtung spezialisiert hat: dimmLight aus Zerbst in Sachsen-Anhalt. Deren Technik erlaubt es, die gewohnten Leuchtmittel, sogenannte Natriumdampflampen, zu regeln. Über einen Dimmer werden sie gedrosselt betrieben, so verbrauchen sie weniger Strom – ganz ohne aufwendige und teure Umbaumaßnahmen. „Das leuchtete mir ein“, sagt Jan Schübel.

Schuhkartongroßer Dimmer mit großer Wirkung

Straßenlaternen in WurzbachZunächst ließ Jan Schübel eine sogenannte Schaltstellenanalyse durchführen. Dabei werden sämtliche Straßen erfasst und es wird geschaut, wo welcher Schaltschrank steht. Mit den Daten konnte Jan Schübel ausrechnen, wie viel ihn der Umbau kosten würde. Die Rechnung ergab, dass der einmaligen Investition von rund 21.000 Euro jährliche Einsparungen in Höhe von 7.420 Euro gegenüber stehen – die Anschaffung amortisiert sich also binnen drei Jahren. Der technische Aufwand ist überschaubar. Im Prinzip besteht dimmLight aus einer schuhkartongroßen Einheit, in der recht simple Elektronik steckt. Sie wird in die bestehenden Schaltschränke gehängt und über ein paar wenige Kabel angeschlossen. Was die kleine Kiste macht, könnte man mit "kleine Ursache, große Wirkung" umreißen: Sobald der Dämmerungsschalter an der Laterne signalisiert, dass es Zeit ist, das Licht anzuschalten, steuert dimmLight die erste Dimmstufe an. Dabei fahren die Lichter kurz auf 100 Prozent Leuchtkraft, um dann direkt auf 65 Prozent herunterzuregeln. „Das merkt man kaum, es ist hell genug“, sagt Jan Schübel und ergänzt: „Manche Anwohner, die dicht an einer Laterne wohnen, haben sich beschwert, dass sie zum Abendessen nun ihr eigenes Licht anschalten müssen.“ Ab 22.00 Uhr greift dann Stufe zwei. Dann fahren die Leuchten auf 35 Prozent runter. „Das ist schon etwas schummrig, aber noch immer ausreichend hell, damit die Sicherheit garantiert ist“, sagt Bürgermeister Schübel.

Einsparung für Klima und Haushalt

„Wir haben dann einen KfW-Kredit aufgenommen und die Schaltanlagen umgerüstet“, sagt Jan Schübel. Und ergänzt: „Für uns war das die günstigste Variante.“ Dank des Dimmers sanken die Ausgaben für die Straßenbeleuchtung in Wurzbach auf jährlich rund 9000 Euro. Die Einsparung ist sogar höher, als die Schaltstellenanalyse ursprünglich ergab. Und das Beste: Nicht nur die Kassen der Kommune werden auf diese Weise geschont, gleichzeitig kommt auch die Umwelt auf ihre Kosten: weniger Stromverbrauch heißt schließlich auch weniger CO2-Belastung. Insgesamt gehen auf Wurzbachs Umweltkonto seither jährlich 30 Tonnen weniger Kohlenstoffdioxid.