Kläranlage Hildburghausen

Grüner Strom aus Abwasser

Die Kläranlage Hildburghausen im Süden Thüringens ist eine der modernsten Deutschlands. Die Anlage wurde von 2015 bis 2017 für fast drei Millionen Euro umgebaut und punktet in Sachen Energieeffizienz mit einem einfachen Trick, wie Stefan Kost, Abteilungsleiter Abwasser im Wasser- und Abwasserverband Hildburghausen (WAVH), verrät.

Moore und Sedimente

Kläranlage HildburghausenDer Trick ist die sogenannte 2-Phasenfaulung. Dabei wird der Klärschlamm nur einmal pro Stunde in den Faulturm eingebracht und nur ganz kurz vermengt. „Dadurch, dass man nicht ständig mischt, verbraucht man weniger Energie“, sagt Kost.

Der Prozess geht auf eine Entwicklung von Fraunhofer-Forschern zurück. Dachten die Abwasserspezialisten lange, dass Klärschlämme im Faulturm möglichst beständig umgerührt werden müssen, um den Gärprozess in Gang zu halten, so sind sie heute schlauer. Speziell bei kleinen Anlagen wie in Hildburghausen, die für 26.000 sogenannte Einwohnerwerte ausgelegt ist, ist der Energieeinsatz für das beständige Umrühren zu hoch. Denn inzwischen ist klar: der Gärprozess setzt auch ohne Rühren ein – und erzeugt dabei vergleichbare Mengen Methan. Der Vorgang ist aus der Natur bekannt: In Mooren und Ufersedimenten entsteht das Methan schließlich auch ohne Rühren.

Geringeres Volumen, weniger Energie

Die innovative Anlage in Hildburghausen ist ein Vorbild für andere Abwasserverbände,
die Kläranlagen in dieser Größenordnung betreiben. Daher haben sich zwei weitere Verbände dazu entschlossen, diese Technologie anzuwenden. Derzeit entstehen eine Anlage im sachsen-anhaltinischen Staßfurt und eine im thüringischen Kahla, sagt Jens Saborowski, der mit seinem Unternehmen Arequa den Bau betreut. „Die Anlagen dienen nicht nur der Energiegewinnung, sondern minimieren den im System anfallenden Klärschlamm, dessen Entsorgung 150 und mehr Euro je Tonne kosten kann, um 30 Prozent.“

Damit die Gärung effizient abläuft, muss der Faulturm beheizt werden. Die Energie dafür liefert er selbst. Das Methan, das bei der Gärung entsteht, wird vor Ort in einer Mikrogasturbine verbrannt und verstromt. Dabei entsteht Abwärme, die in den Faulturm geleitet wird und den Prozess auf konstant 39 Grad hält.

Zu 60 Prozent energieautark

Der an die Mikrogasturbine angeschlossene Generator hat eine Nennleistung von 50 Kilowatt. Die Elektrizität, die er liefert, wird ebenfalls vor Ort verbraucht. Schließlich brauchen die Kompressoren, die Rührwerke und die Zulaufpumpen Strom. Das hat den energetischen Autarkiegrad der Kläranlage Hildburghausen auf 60 Prozent gehoben, freut sich Kost.
Netter Nebeneffekt des innovativen Faulvorgangs: eines der Belebungsbecken konnte stillgelegt werden und dient jetzt als Reserve. Auch das spart Energie und Kosten und entlastet die Umwelt, wie Stefan Kost vorrechnet: „Insgesamt konnten wir unsere Stromkosten von 13.000 auf 6000 Euro monatlich senken.“


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