Wind im Wald

Windiger Wald

Rund 30.000 Windenergieanlagen gibt es in Deutschland an Land. Und rund 90 Milliarden Bäume. Etwa ein Drittel der Bundesrepublik ist bewaldet. Um die Energiewende weiter voranzutreiben, sollten Windkraftwerke auch im Wald errichtet werden. Dass das geht, weiß Windkraft-Projektentwickler Manfred Striegl. Allerdings gelte es dabei, „einige Besonderheiten zu beachten“.

Striegl half mit seinem Unternehmen „Primus Energie“, Thüringens erste Windkrafträder im Wald zu errichten. Acht je drei Megawatt starke Anlagen ragen seit 2017 im Landkreis Saale-Orla über die Baumwipfel hinaus. Die Maschinengondeln thronen jeweils auf einer Höhe von fast 150 Metern. Die Flügel kratzen am höchsten Punkt in mehr als 200 Meter am Himmel. Es sind wahre Giganten, die enorme Mengen an Strom liefern. „Das ist ein überdurchschnittlich guter Standort. Wir erzeugen hier jedes Jahr Strom für 16.000 Haushalte“, sagt Striegl.

Große Herausforderungen

Wind im WaldAllerdings ist das Aufstellen von Windturbinen im Wald komplizierter als auf dem freien Feld. „Wald ist meist hügelig oder sumpfig. Zudem ist der Grenzverlauf der Flurstücke oft sehr viel unregelmäßiger als im Offenland“, sagt Striegl. Dadurch sei es schwieriger, Baumaßnahmen für Zuwege oder Kranauslegerflächen zu planen und umzusetzen.

Um die imposanten Maschinen überhaupt in den Wald transportieren und aufstellen zu können, müssen Flächen gerodet und belastbare Zuwegungen gebaut werden. Für diese Gebiete müssen im Anschluss Ausgleichsflächen geschaffen werden. Bevor also der erste Baum fällt, muss klar sein, wo der nächste gepflanzt wird. Darüber entscheiden die jeweiligen Bürgermeister, Anwohner und Jagdpächter. Und natürlich geben Gesetze die Bedingungen vor. Oft werden durch den Bau von Windrädern mehr neue Waldflächen geschaffen als gerodet.

Schwarzstörche und Ackerbrachestreifen

Doch es geht nicht nur um Aufforstung. „Für uns als Gemeinde war das ein Glücksfall. Wir konnten mit den Mitteln einen Bach, der mitten durch die Stadt Gefell fließt, renaturieren. Da ging es nicht nur um den ökologischen Nutzen, sondern insbesondere auch um den dringend benötigten Hochwasserschutz. Die Maßnahme wäre aufgrund fehlender Eigenmittel unserer Stadt nicht durchführbar gewesen“, sagt Bürgermeister Marcel Zapf.

Neben dem Bach wurden in Gefell eine Wiese für Schwarzstörche angelegt und auch hiermit der Hochwasserschutz verbessert. Zudem wurden sogenannte Ackerbrachestreifen gefördert. Auf ihnen findet keine landwirtschaftliche Nutzung statt, stattdessen wachsen hier Kräuter. Und in denen wiederum fühlen sich Insekten wohl. Für den landwirtschaftlichen Verkehr wurde eine Umgehungsstraße angelegt, die nun die Ortschaft entlastet. Insgesamt hat das Landratsamt Kompensationsmaßnahmen in Höhe von 500.000 Euro festgelegt.

Regionale Wertschöpfung

Sämtliche Bauarbeiten wurden zudem von regionalen Unternehmen ausgeführt – so bleibt die Wertschöpfung in der Region. Betreiber des Windparks ist der Stadtwerkeverbund Trianel.

Und auch das Wohl der Fledermäuse wurde berücksichtigt. Das Thema ist einer der großen Streitpunkte, wenn Windkraftanlagen im Wald errichtet werden sollen. Damit die Tiere von den Anlagen nicht verletzt werden, werden die Maschinen in den Sommermonaten während der Jagdzeiten abgestellt. So profitieren alle Seiten von der Windkraft.


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