Dank der Sonne Geld sparen

Diese Ansage überzeugt sofort: „Unser Strom ist immer einen Cent billiger als der billigste Tarif der Stadtwerke.“ Was Volker Kämmerer, Vorstand der Wohnungsbau-Genossenschaft WBG Fortschritt Sondershausen eG. da verspricht, ist keine Kampfansage an die Stadtwerke, sondern eher ein Imagegewinn für seine Wohnungsbau-Genossenschaft. Denn seine Mieter und Mieterinnen bekommen nicht nur einen unschlagbar günstigen Stromtarif, sondern gleichzeitig 100-prozentigen Ökostrom. Und zwar rund ums Jahr, ob die Sonne scheint oder nicht.

Mieterinnen und Mieter profitieren von der Energiewende

Mit diesem Leuchtturm-Projekt macht die WBG eine exzellente Figur, schließlich gibt es solche Mieterstrommodelle bislang nur ganz wenige im Bundesgebiet. Und dann gibt es noch eine dritte Partei, die als Gewinner hervorgeht: Die Stadtwerke Sondershausen. Sie beziehen überschüssigen Sonnenstrom und erhöhen so ihren Ökostromanteil. Doch der Reihe nach. Als die Wohnungsbau-Genossenschaft in Sondershausen vor einigen Jahren zwei neue Stadthäuser plante, entschied man, in das Neubauvorhaben gleichzeitig ein Mieterstrommodell zu integrieren. Bei solch einem Modell beteiligen sich die Mieter aktiv an der Energiewende – im Fall Sondershausen stellen sie ihr Hausdach für eine Photovoltaik-Anlage zur Verfügung, gleichzeitig verbrauchen die Mieter ihren Strom auch größtenteils selbst. Noch gibt es recht wenige dieser Mieterstrommodelle in Deutschland. Umso stolzer sind die Mieter in Sondershausen darauf, so ein wegweisendes Projekt in Thüringen installiert zu haben. Schließlich können auf diese Weise erstmals auch die Mieterinnen und Mieter direkt von der Energiewende profitieren. Das war bislang größtenteils den Eigentümern vorbehalten.

Auf den Dächern der beiden Stadthäuser sind seither 30.000 Kilowatt Photovoltaik installiert. Pro Jahr liefern die Module rund 30.000 Kilowattstunden Ökostrom. Im Vergleich zur konventionellen Stromerzeugung vermeiden die Mieter und die WBG damit rund 18 Tonnen CO2. Seit Inbetriebnahme der Solaranlage im August 2014 sind es sogar ganze 49 Tonnen, die der Umwelt erspart blieben. Zum Vergleich: Jeder Deutsche verursacht im Schnitt jährlich neun Tonnen CO2.

Mit Mieterstrom gemeinsam gewinnen

Wohnungsbau-Genossenschaft Fortschritt Sondershausen eGUm solch ein Mieterstrommodell zu etablieren, braucht es drei Partner: Die Mieter, den Vermieter und den Stromversorger. Und alle drei Parteien gewinnen. Aber genauso sind sie voneinander abhängig: Da sich die Bewohner nicht zu 100 Prozent energetisch selbstversorgen – dafür produziert so eine Anlage im Sommer zu viel und im Winter zu wenig Strom – brauchen sie einen Stromanbieter, der aushilft wenn die Sonne schläft. Sonst stünde der Fahrstuhl nachts still und das Treppenhaus wäre dunkel. Zu einem beträchtlichen Teil sind die Mieterinnen und Mieter aber eben doch unabhängig: In Sondershausen versorgen sie sich  zu rund 26 Prozent selbst, sagt Torsten Hoecke, technischer Leiter bei der WBG. Und was den selbst produzierten Strom betrifft, so verbrauchen sie gar über die Hälfte selbst. Das spart Kosten seitens des Vermieters: „Jede Kilowattstunde, die wir selbst produzieren, müssen wir nicht einkaufen“, sagt Volker Kämmerer.

Das bedeutet gleichzeitig, dass rund 50 Prozent des geernteten Stroms ins Netz eingespeist werden müssen. Und hier punktet das Mieterstrommodell abermals: Das Besondere bei solch einem Modell ist, dass die Mieter oder die Wohnungsbaugesellschaft den überschüssigen Strom nicht selbst vermarkten müssen, sondern der Stromanbieter, in diesem Fall die Stadtwerke, diese Aufgabe übernimmt. „Die Stadtwerke unterstützen uns bei diesem Leuchtturm-Projekt wohlwollend“, freut sich Kämmerer.

Unheimlich hoher Wohnkomfort

Solch ein Mieterstrommodell in die neuen, viergeschossigen Häuser der WBG in Sondershausen zu integrieren, lag nahe. Schließlich sind die beiden Stadthäuser mit je 13 Wohnungen hochmodern. Sie entstanden in sogenanntem KfW-70-Standard, entsprechen also höchsten Energieansprüchen. Und nicht nur das, auch in Sachen Komfort haben sie einiges zu bieten: Die Wohnungen sind zwischen 60 und 90 Quadratmeter groß, sie sind allesamt barrierefrei und sie haben teils sogar Wintergärten. Fußbodenheizung und bodentiefe Fenster gehören ebenfalls zum Standard. „Ein unheimlich hoher Wohnkomfort“, sagt Volker Kämmerer. Die Photovoltaikanlage auf dem Dach rundet das Ganze ab – um nicht zu sagen: setzt ihm ein Sahnehäubchen auf. „Die Mieter sind stolz auf ihre Wohnungen und das energetische Konzept“, sagt Volker Kämmerer.

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